Umfrage: Welt-Aids-Tag bekannt, Wissen über Krankheit eher gering

Mann und Frau küssen sich

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Obwohl im Speichel nur sehr wenige HI-Viren enthalten sind und eine Übertragung ausgeschlossen ist, äußerten ungefähr die Hälfte der Befragten, dass sie "wahrscheinlich einen HIV-Positiven Menschen nicht küssen" würden.

Umfrage: Welt-Aids-Tag bekannt, Wissen über Krankheit eher gering
Der jährliche Welt-Aids-Tag am 1. Dezember als Informationsveranstaltung über die Immundefektkrankheit Aids ist bei einem Großteil der Bevölkerung bekannt (85 Prozent). Allerdings haben viele Menschen Wissenslücken etwa über die Ansteckungswege, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung am Mittwoch in Köln mitteilte.

Geringes Wissen könne beim Zusammenleben mit HIV-positiven Menschen zu Diskriminierung führen. Die Bundesärztekammer rief dazu auf, in der Aidsprävention nicht nachzulassen. Die Grünen forderten mehr Testangebote, um Neuinfektionen früher zu erkennen.

Den Sinn des Welt-Aids-Tag sehen demnach viele der gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium Befragten in der Aufklärung über den "Schutz vor HIV-Infektionen" (74 Prozent) und in der "Solidarität mit den Infizierten" (60 Prozent). Über 40 Prozent nannten auch das "Gedenken an die weltweit durch HIV/Aids Verstorbenen".

Obwohl in Speichel, Tränen und Urin nur sehr wenige HI-Viren enthalten sind und einer Übertragung über diese Körperflüssigkeiten ausgeschlossen ist, äußerten in der Umfrage noch rund ein Fünftel der Befragten Bedenken bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten (21 Prozent) oder Toiletten (27 Prozent). Über 30 Prozent äußerten auch Bedenken hinsichtlich einer gemeinsamen Geschirrbenutzung.

Ungefähr die Hälfte der Befragten (47 Prozent) würde einen HIV-Positiven Menschen "wahrscheinlich nicht küssen und/oder es als besorgniserregend empfinden, von einem HIV-positiven Menschen angehustet zu werden". Auch geschützten Sex mit Kondom mit einem HIV-Infizierten lehnten 75 Prozent der Befragten ab. Grundsätzliche Bedenken etwa bei einer Zusammenarbeit am Arbeitsplatz oder beim Aufeinandertreffen in einer Arztpraxis äußerten hingegen lediglich drei beziehungsweise 14 Prozent.

Zwar gebe die Mehrheit der Bevölkerung an, in Bezug auf das Thema HIV und Aids keine Berührungsängste zu haben, fasste die Bundeszentrale die Umfrageergebnisse zusammen. Allerdings bestünden im alltäglichen Umgang mit HIV-Positiven bei Teilen der Befragten immer noch Unkenntnis und Unsicherheiten. Dies zeige sich mitunter an Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Ablehnung.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, beklagte, dass Infizierte noch immer stigmatisiert würden. Das setze eine Negativspirale in Gang: "Die Betroffenen outen sich aus Angst vor Diskriminierung nicht, viele ziehen sich in die Isolation zurück, und dadurch verschwindet das Thema Aids aus der öffentlichen Wahrnehmung", warnte Montgomery. Dabei gebe es in Bezug auf Neuinfektionen keine Entwarnung. 2016 infizierten sich etwa 3.100 Menschen in Deutschland mit HIV: "Das zeigt, dass wir bei der Aufklärung und Prävention nicht nachlassen dürfen."

Die Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche forderte mehr Testangebote, denn noch immer wüssten viele mit HIV angesteckte Menschen nichts von ihrer Infektion. "Nur wer von einer Infektion weiß, kann richtig handeln und behandelt werden." Mehr Aufklärung und mehr Testangebote für alle, zum Beispiel durch Aidshilfen oder in Arztpraxen, seien notwendig. Momentan werde die Mehrheit der HIV-Infektionen von Frauen "unerwartet" beim routinemäßigen Schwangerschaftsscreening entdeckt.

Zudem seien zu viele Betroffene nicht in Therapie (14 Prozent). Die Behandlung aller, etwa auch von Menschen ohne Papiere oder ohne Krankenversicherung sei überfällig, betonte Schulz-Asche.

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