Kolumbiens Ex-Guerilla will in die Regierung

Kolumbiens Ex-Guerilla will in die Regierung
Zum Abschluss ihres Parteigründungskongresses hat die frühere kolumbianische Farc-Guerilla eine Führung gewählt. Die neue Linkspartei strebt schon bei der Wahl im nächsten Jahr eine Regierungsbeteiligung an, wie der Hörfunksender RCN auf seiner Internetseite berichtete.

"Wir werden unsere politischen Positionen einbringen, um uns bereits 2018 an einer Übergangsregierung für die Versöhnung und den Frieden zu beteiligen", kündigte der einstige Guerillakommandant Iván Márquez am Freitag (Ortszeit) an.

Die neue Parteiführung besteht aus 111 Repräsentanten. Sie soll demnächst die Kandidaten für die Kongresswahlen im März bestimmen. Neben ehemaligen Kommandanten und Ex-Guerilleros sollen auch Gewerkschafter sowie Aktivisten sozialer Bewegungen als Kandidaten aufgestellt werden. Am Donnerstag hatte sich die einst bewaffnete Organisation in "Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común" (Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes) umbenannt, die Abkürzung Farc aber beibehalten.

Im Dezember vergangenen Jahres hatten die kolumbianische Regierung Kolumbiens und die linken Rebellen der Farc nach mehr als 50 Jahren Krieg ein Friedensabkommen unterzeichnet. Im Friedensvertrag ist vorgesehen, dass der neuen Partei für die beiden kommenden Legislaturperioden jeweils fünf Sitze im Senat und im Parlament reserviert werden, sofern sie nicht die dafür notwendigen Stimmen erhält.

Indes beendeten die Regierung und die kleinere ELN-Guerilla ihre dritte Verhandlungsrunde in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito ohne die erhoffte Vereinbarung einer Waffenruhe. Die Meinungsverschiedenheiten über die Bedingungen einer temporären Waffenruhe konnten nicht ausgeräumt werden, hieß es in der lokalen Presse. Zuvor hatten beide Seiten ihre Bereitschaft erklärt, während des Papstbesuchs in der zweiten Septemberwoche die Feindseligkeiten auszusetzen.

Der Konflikt zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen hatte sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit entzündet. Seither wurden etwa 340.000 Menschen getötet, mindestens sieben Millionen Kolumbianer wurden vertrieben.

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