Frauen im Mittelalter mächtiger als bekannt

Frauen im Mittelalter mächtiger als bekannt
Mittelalterliche Fürstinnen und Königinnen hatten mehr Macht als allgemein vermutet.

"Viele von ihnen hatten finanzielle Ressourcen und verstanden es, mittels großer Netzwerke und religiöser Aktivitäten Einfluss auszuüben", erklärten die Heidelberger Historikerinnen Julia Burkhardt und Imke Just im Gespräch mit dem evangelischen Pressedienst (epd). Wie nur wenige andere Personen hätten sie das Bild ihrer Dynastie und deren Herrschaftseignung geprägt.



Spätmittelalterliche Fürstinnen hätten nach ihrer Heirat ein Witwengut von ihrem Mann erhalten, das ihren Lebensunterhalt im Ernstfall sichern sollte. "Eine ganze Menge von ihnen verstand es, diesen Besitz zu vermehren", sagte Just. Zudem seien sie oft über strategisch klug verheiratete Kinder weit vernetzt gewesen und betonten durch Stiftungen und Kunstwerke ihre Verwandtschaft zu Heiligen: "Damit erhöhten sie ihren persönlichen Stellenwert und stellten die Vorbildlichkeit ihrer Familie zur Schau." 

Zahlreiche Frauen hätte sich zudem für ein Leben im Kloster entschieden. Dort sei es ihnen möglich gewesen, Ämter auszuführen oder gar als Äbtissin die Gemeinschaft zu leiten, was Macht im geistlichen wie im weltlichen Bereich bedeutet hätte.

Der Grund für das heutige passive Bild weiblicher Adliger ist laut Burkhardt das geringe Wissen über das Leben der Frauen. Es gebe nur wenige Quellen. Zudem neigten moderne Forscher dazu, heutige Vorstellungen von Macht und Freiheit als Maßstab zu nehmen. "Dabei übersehen wir aber die ganz eigenen Handlungsspielräume des Mittelalters", erklärte Burkhardt.

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