Sektenexperte besorgt über Marketing nach Pyramiden-Prinzip

Sektenexperte besorgt über Marketing nach Pyramiden-Prinzip
Sektenexperten, Verbraucherschützer und Politiker sind besorgt über eine Rückkehr der umstrittenen Marketing-Methoden nach dem Pyramiden- oder Schneeball-System in Deutschland. Dabei müssen selbstständige Verkäufer Produkte direkt an Kunden verkaufen und Prozente ihres Erlöses an andere Verkäufer zahlen, die in der Hierarchie über ihnen stehen.

 "Man kann sagen, dass wir es hier mit einer neuen Form von Sekten zu tun haben", sagte der Religionspsychologe Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin der "Welt am Sonntag". Vor allem Firmen, die Nahrungsergänzungsmittel und Naturkosmetik verkaufen, verzeichnen der Zeitung zufolge starken Zulauf.

Nach Schätzungen des Weltverbandes der Direktmarketing-Firmen mit Sitz in den USA haben sich laut "Welt am Sonntag" in Deutschland bereits 840.000 Menschen einem solchen Netzwerk als selbstständige Verkäufer angeschlossen. Einige Firmen seien in Stufen-Hierarchien organisiert, so dass ihre Mitarbeiter ähnlich wie bei den sogenannten "Reinheitsgraden" in Sekten aufsteigen könnten, erläuterte Utsch.

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Dabei werben solche Strukturvertriebe aus Sicht von Politikern und Sektenforschern häufig mit unbewiesenen Heilsversprechen. "Sie arbeiten in der Regel mit Verkaufsprovisionen, die dazu führen, dass die Verkäufer das Produkt aus egoistischem Interesse unbedingt an die Frau oder den Mann bringen wollen", sagte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast, Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz.

Die verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Elvira Drobinski-Weiß, forderte die Einrichtung einer öffentlich zugänglichen Datenbank für zugelassenen Nahrungsergänzungsmittel. Dies könne Verbrauchern helfen, "falsche Versprechen schnell zu erkennen und bei den Verbraucherzentralen oder Behörden anzuzeigen".