Strukturdiskussionen in der Kirche mit einer "gewissen Schwerfälligkeit"

Theologe Thies Gundlach

Foto: epd-bild/Jens Schulze

Theologe Thies Gundlach

Strukturdiskussionen in der Kirche mit einer "gewissen Schwerfälligkeit"
Die evangelische Kirche wird nach Überzeugung ihres "Chef-Theologen" Thies Gundlach auch in Zukunft nicht um Strukturdebatten herumkommen.

Denn in einer sich verändernden Gesellschaft seien diese Debatten unumgänglich, sagte der Vizepräsident der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). In der evangelischen Kirche seien diese Struktur-Diskussionen partizipativ und synodal angelegt, was zu einer "gewissen Schwerfälligkeit" führe. "Autoritär durchzugreifen ginge schneller, aber das wird unserem eigenen Anspruch nicht gerecht", sagte Gundlach.

Der Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster hingegen empfindet die "ewigen Strukturdebatten" in der Kirche als massiv störend. Statt den großen Fragen des Daseins nachzugehen, kreise die Institution Kirche hauptsächlich darum, "welche Gebäude in 100 Jahren noch wo stehen sollen und ob die Glocke bimmelt", sagte Lauster in einem Redaktionsgespräch mit dem EKD-Vizepräsidenten Gundlach.

Einig waren sich die beiden Theologen in ihrer Sorge, dass die Kirche nicht mehr die jüngeren Generationen erreicht. Bei einem Großteil der 20- bis 30-Jährigen fehle heute das Verständnis für einen offenen Himmel oder das Verhältnis zu Glaube und Gott, sagte Gundlach. Diese Entwicklung sei "sehr traurig und ein existentielles Problem für unsere Kirche und den Glauben". Deshalb setze die Kirche auf Kommunikations-Kampagnen, die bei den Menschen Nachdenklichkeit über Gott, Welt und Glauben auslösen. Professor Lauster hob die Bedeutung der Kasualien, wie Taufe oder Trauung, hervor, bei denen die Kirche auf vielfältige Weise mit den Menschen in Kontakt komme.

Am Freitag gab die EKD zugleich bekannt, dass die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche weiter zurückgeht. Ende 2016 gehörten rund 21,92 Millionen Menschen den evangelischen Landeskirchen an, knapp 350.000 weniger als im Jahr zuvor.

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