Kardinal Meisner im Alter von 83 Jahren gestorben

Porträt von Kardinal Joachim Meisner, fotografiert am 10.12.13 im Erzbischöflichen Haus.

Foto: epd-bild /Guido Schiefer

Joachim Meisner, fotografiert am 10.12.13 im Erzbischöflichen Haus.

Kardinal Meisner im Alter von 83 Jahren gestorben
Mehr als 25 Jahre stand Kardinal Joachim Meisner an der Spitze des Erzbistums Köln. Seine erzkonservativen Ansichten waren umstritten, seine den Menschen zugewandte Art wurde geschätzt. Am Mittwoch starb er im Alter von 83 Jahren.

Kardinal Joachim Meisner ist tot. Der ehemalige Kölner Erzbischof starb am Mittwochmorgen im Alter von 83 Jahren während seines Urlaubs in Bad Füssing, wie das Erzbistum Köln mitteilte. Der erzkonservative Theologe stand ein Vierteljahrhundert an der Spitze des mitgliederstärksten Bistums in Deutschland. Im Jahr 2014 wurde er auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt und lebte seither zurückgezogen in Köln.

Meisner war fast vier Jahrzehnte lang Bischof, davon 25 Jahre Erzbischof von Köln. Er vertrat streng konservative Positionen und hatte damit großen Einfluss in konservativen Kreisen der katholischen Kirche. Für Aufsehen sorgte der Theologe, der als Vertrauter von Papst Johannes Paul II. und dessen Nachfolger Benedikt XVI. galt, immer wieder mit provokanten Äußerungen zu Themen wie Homosexualität und Abtreibung. Umstritten war auch seine Nähe zu einflussreichen konservativen katholischen Organisationen wie Opus Dei.

Geboren wurde Meisner am 25. Dezember 1933 in Breslau. Er wuchs nach der Flucht 1945 mit drei Brüdern im thüringischen Körner auf. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann studierte er in Erfurt Theologie und Philosophie und wurde 1962 zum Priester geweiht. 1975 folgte die Ernennung zum Weihbischof des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen. 1980 wurde Meisner Bischof von Berlin und 1989 Erzbischof von Köln.

Mehr zu Kardinal Meisner
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in seinem Grußwort zur Trauerfeier von Kardinal Joachim Meisner seine Kirche kritisch mit einem vom Sinken bedrohten Boot verglichen.
In einer feierlichen Totenmesse ist Kardinal Joachim Meisner am Samstag im Kölner Dom beigesetzt worden.

Als Nachfolger von Joseph Höffner wurde er von Johannes Paul II. gegen den Willen des Kölner Domkapitels nach Köln versetzt. Auch Meisner wollte nach eigenem Bekunden nie nach Köln, fand im Rheinland aber eine zweite Heimat. Als einen Höhepunkt seiner Amtszeit bezeichnete er den Weltjugendtag 2005 in Köln mit mehreren hunderttausend Jugendlichen.

Das Erzbistum Köln richtete am Mittwoch ein Online-Kondolenzbuch auf seiner Internetseite sein. Im Mittagsgebet im Kölner Dom sollte des gestorbenen Kardinals gedacht werden, für den Abend war ein Trauergottesdienst mit Erzbischof Rainer Maria Woelki geplant.

Auch das Erzbistum Berlin lud zu einer Abendmesse für den Verstorbenen ein. Erzbischof Heiner Koch erklärte, Meisner habe als Berliner Bischof in den 80er Jahren unbeeindruckt von den Versuchen kommunistischer Einflussnahme an der Einheit des Bistums Berlin festgehalten. Er habe die Annäherung und Aussöhnung mit Polen, Tschechen und Slowaken vorangetrieben. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) würdigte den ehemaligen Berliner Bischof als "prägende Persönlichkeit der katholischen Kirche". Meisner habe in der DDR und in ganz Deutschland eine wichtige Rolle gespielt.

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) würdigte Meisner als kritischen Denker und Mahner. Mit dem eher liberalen "Rheinischen Katholizismus" habe sich der gebürtige Schlesier bis zum Ende seiner Amtszeit schwer getan. "Trotzdem waren seine Beiträge immer auch geprägt von großer Menschenliebe, präziser Analyse und tiefem Glauben", erklärte Reker.

Die Malteser würdigten Meisners "herzliche und den Menschen zugewandte Art". "Er war dabei gleichzeitig sperrig, jemand, der sich nicht dem Zeitgeist beugt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Malteser Hilfsdienstes, Karl Prinz zu Löwenstein.

 

 

Domradio.de überträgt den Trauergottesdienst um 18.30 Uhr live im Internet.