Stiftung: Steigende Altersarmut durch Wandel in Arbeitswelt

Minijobs, Niedriglöhne und Unterbrechungen im Arbeitsleben führen zu niedrigeren Renten.

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Minijobs, Niedriglöhne und Unterbrechungen im Arbeitsleben führen zu niedrigeren Renten.

Stiftung: Steigende Altersarmut durch Wandel in Arbeitswelt
Minijobs, Niedriglöhne und Unterbrechungen im Arbeitsleben führen zu niedrigeren Renten. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung warnt vor steigender Altersarmut. Diakonie und Sozialverbände fordern Rentenreformen.

Immer mehr künftigen Rentnern droht laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung ein Absturz in die Armut. Das Rentensystem sei zu wenig auf den Wandel der Arbeitswelt vorbereitet, erklärte die Stiftung am Montag in Gütersloh bei der Vorstellung der Studie. Jeder fünfte deutsche Neu-Ruheständler ab 67 Jahren könnte im Jahr 2036 von Altersarmut bedroht sein. Besonders betroffen seine Alleinerziehende, Langzeitarbeitslose und Geringverdiener. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) forderte einen neuen Generationenvertrag. Die Diakonie mahnte die Einführung einer Mindestrente an. Sozialverbände forderten einen Umbau des Rentensystems.

Laut der Studie steigt das Risiko der Altersarmut bis 2036 auf 20 Prozent. Im Jahr 2015 waren es noch 16 Prozent der Rentner. Zugleich wird nach Prognosen der Studie die Grundsicherungsquote steigen. Als armutsgefährdet gelten laut Studie Rentner mit einem monatlichen Netto-Einkommen unter 958 Euro.

Viele der aktuell diskutieren Reformvorschläge könnten den Trend steigender Altersarmut nicht umkehren, erklärten die Autoren. Reformen müssten stärker die Risikogruppen, die veränderten Erwerbsbiografien und die Situation an den Kapitalmärkten in den Blick nehmen. Nötig seien flexiblere und sichere Übergänge im Erwerbsverlauf sowie eine verbesserte Arbeitsmarktintegration für Risikogruppen.

Arbeitsministerin Nahles erklärte, auch kommende Generationen müssten auf ein stabiles Rentenniveau und stabile Beiträge vertrauen können. "Wir brauchen einen neuen Generationenvertrag, der frühzeitig ansetzt, um Altersarmut zu verhindern", sagte sie. Die Ministerin beklagte, dass eine Solidarrente von der Union abgelehnt worden sei. Die beste Prävention gegen Altersarmut sei gute Arbeit, unterstrich sie. Die Integration in den Arbeitsmarkt, mehr Vollzeiterwerbstätigkeit, eine höhere Frauenerwerbsquote und berufliche Weiterbildung müssten daher Priorität haben.

Die Diakonie Deutschland forderte die Einführung einer Mindestrente. Diese sollte lediglich 30 Beitragsjahre voraussetzen und höher sein sollte als die Grundsicherung, sagte Diakonie-Vorstand Maria Loheide in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Jahrelange Erwerbsarbeit dürfe nicht der einzige Maßstab für ein Leben in Würde sein. Zudem sollten Mindestlöhne so berechnet sein, dass sie existenzsichernd seien.

werkschaftsbund (DGB) warnte davor, notwendige Entscheidungen mit einer Rentenkommission auf die lange Bank schieben. Nötig sei die Bekämpfung von prekärer Arbeit und Arbeitslosigkeit, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Zudem brauche es gleiche Löhne für Frauen und Männer sowie eine Stärkung der Rente. Der Sozialverband VdK forderte eine schrittweise Erhöhung der Renten sowie die Abschaffung von Abschlägen bei den Erwerbsminderungsrenten. "Wir brauchen ein Rentensystem, das vor Armut im Alter schützt", unterstrich die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher.

Das privatwirtschaftliche Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) plädierte anstelle einer allgemeinen Rentenreform für gezielte Maßnahmen für die von Armut betroffenen Gruppen. Das Armutsrisiko nehme laut Studien des DIA in den kommenden Jahren "keineswegs überbordend zu", sagte Klaus Morgenstern von dem Institut dem epd. Als vorbeugende Strategien plädiert das Altersvorsorge-Institut für Förderungen von Qualifikationen und Integration in den Arbeitsmarkt. "Erst im zweiten Schritt sollte man über Korrekturen an den Alterungssicherheitssystemen nachdenken", sagte Morgenstern. Die Bertelsmann-Studie erstellt Prognosen der Rentenentwicklung bis 2036 auf Grundlage von repräsentativen Haushaltsdaten.

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