Mazyek: Muslimischer Extremismus befindet sich im Niedergang

Aiman Mazyek

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Mazyek: Muslimischer Extremismus befindet sich im Niedergang
Der Zentralratsvorsitzende zeigte sich enttäuscht über die relativ geringe Beteiligung an einem von Muslimen organisierten Friedensmarsch vergangene Woche in Berlin.
Deutschland spricht 2019

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sieht Islamisten auf dem Rückzug. "Der muslimische Extremismus befinde sich im Niedergang, sagte er der "Bild am Sonntag". Das mache ihn aber nicht weniger gefährlich. Mazyek rief die Muslime auf, sich an Demonstrationen gegen den Terror zu beteiligen. Gerade jetzt gelte es, öffentlich Gesicht zu zeigen.

Der Zentralratsvorsitzende zeigte sich enttäuscht über die relativ geringe Beteiligung an einem von Muslimen organisierten Friedensmarsch vergangene Woche in Berlin. Er hätte sich mehr Teilnehmer erhofft, sagte er. Behauptungen des türkischen Moschee-Verbands Ditib, den Gläubigen könnten Demonstrationen während der Fastenzeit nicht zugemutet werden, wies er zurück: "Im Ramadan wurden entscheidende Wegmarken der muslimischen Geschichte gesetzt. Das war oft auch mit großer körperlicher Anstrengung verbunden."



Zum Zusammenhang zwischen Terror und Islam sagte Mazyek, der Terror habe "bisweilen etwas mit Muslimen zu tun". Aber ein Glaube, der das genaue Gegenteil von Terror predige, könne nicht "wie ein einzelnes Subjekt für den Terror haftbar gemacht werden." Terrortaten seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit und hätten mit dem Islam der Mehrheit weltweit nichts zu tun. 

Mazyek sprach sich auch gegen eine Unterteilung des Islam in liberal und konservativ aus. Begriffe wie 'liberal' oder 'konservativ' führten zur Politisierung seiner Religion, deswegen lehne er sie ab, sagte Mazyek. Vielleicht gebe es so etwas wie "praktizierende Gläubige" und "weniger praktizierende".

Zur der Gründung einer liberalen Moschee in Berlin durch die Anwältin Seyran Ates sagte er: "Es gibt 2.100 Moscheen in Deutschland. Ich muss nicht jede einzelne Moschee kommentieren. Sie soll ihre Sache machen." In der neuen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee sollen dort Männer und Frauen, Sunniten und Schiiten, Homosexuelle und Heterosexuelle gemeinsam beten dürfen. Dies stieß bei vielen Muslimen auf Ablehnung.

Morddrohungen gegen die Moschee-Gründerin verurteilte Mazyek "in aller Klarheit". Er könne sich vorstellen, wie sie sich jetzt fühlt, sagte er. Kürzlich habe die Terrorgruppe "Islamischer Staat" ihn selbst auf eine Todesliste gesetzt. 

Der Zentralrat der Muslime ist Deutschland ist ein Verband, dem nach eigenen Angaben rund 300 Moscheegemeinden angehören. Darunter sind arabische, deutsche, iranische, afrikanische und bosnische Muslime, sowohl sunnitischen wie schiitischen Glaubens.

Meldungen

Top Meldung
Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen setzt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm auf authentischen Glauben und klare Kante - auch gegen rechts.