Neuer Spendenkatalog für Wiederaufbau des Garnisonkirchturms

Der Standort der ehemaligen Garnisonkirche in Potsdam.

Foto: ZB/Ralf Hirschberger

Der Standort der ehemaligen Garnisonkirche in Potsdam (Archiv).

Neuer Spendenkatalog für Wiederaufbau des Garnisonkirchturms
Für den geplanten Wiederaufbau des Turms der Potsdamer Garnisonkirche sollen bis zu 18,5 Millionen Euro neue Spenden eingeworben werden. Der Spendenkatalog dafür, in dem Patenschaften für einzelne Bauelemente vom Ziegelstein über zahlreiche Schmuckelemente bis hin zur Büroausstattung angeboten werden, wurde am Freitag in Potsdam vorgestellt.

Die Beträge für die Bauelemente reichen von 100 Euro für einen Ziegelstein bis zu 750.000 Euro für eine der Läuteglocken des Kirchturms. Der historische Kirchturm, der 1945 zerstört und 1968 abgerissen wurde, sei ein "in sich selbst faszinierender Ort", der 230 Jahre lang die Silhouette der Stadt geprägt habe und sie nun erneut prägen solle, sagte der Kuratoriumsvorsitzende der Garnisonkirchenstiftung, der evangelische Berliner Altbischof Wolfgang Huber. Ziel sei, den rund 38 Millionen Euro teuren Turm in einem Zug einschließlich der bisher noch nicht finanzierten Schmuckelemente zu errichten.

Zunächst soll mit dem Bau einer rund 26 Millionen Euro teuren Grundvariante des Kirchturms ohne Schmuckelemente begonnen werden. Dafür will der Bund zwölf Millionen Euro bereitstellen. Der Antrag der Stiftung dafür wird derzeit geprüft. Die evangelische Kirche steuert fünf Millionen Euro Kredite bei. Der Antrag an den Bund weise eine Finanzierung in Höhe von rund 27,5 Millionen Euro nach, sagte Wieland Eschenburg vom Vorstand der Garnisonkirchenstiftung. Durch den Spendenkatalog 2016 wurden den Angaben zufolge bislang rund 2,5 Millionen Euro eingeworben.

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Die Stiftung will nach derzeitiger Planung im Herbst mit ersten Baumaßnahmen beginnen. Zunächst müssten bereits vor einigen Jahren aufgestellte Zierelemente, die später in den Turm integriert werden sollen, rückgebaut und eingelagert werden, sagte Eschenburg.  Die größte zunächst zu bewältigende Aufgabe sei die Stabilisierung des Fundaments mit rund 40 jeweils 38 Meter langen Gründungspfählen mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter, sagte Eschenburg. Weil die Reste der historischen Fundamente nicht mehr tragfähig seien, müsse eine neue Bodenplatte gebaut werden.

Altbischof Huber sagte zur anhaltenden Kritik, wer das inhaltliche Programm verfolge, könne keinen Zweifel daran haben, dass dazu auch die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der früheren preußischen Militärkirche gehöre. Das Konzept könne jedoch nicht mit der Arbeit staatlich finanzierter Gedenkstätten an zentralen Orten des NS-Terrors verglichen werden. Der Turm solle ein Lernort der Geschichte und Verantwortung sein, werde jedoch nicht eigens als Erinnerungsort für NS-Unrecht errichtet. Die evangelische Martin-Niemöller-Stiftung hatte kürzlich die inhaltliche Ausrichtung kritisiert.