TV-Tipp: "Welcome to Karastan" (23.40 Uhr, Arte)

Die ironische Version einer "Making of"-Reportage am 18. Mai auf Arte
Ein bisschen "Borat", ein bisschen Woody Allen, aber vor allem viel englischer Humor. Sehenswert.

"Welcome to Karastan" ist eine großartige und immer wieder überraschende Satire, die vor nichts und niemandem Halt macht; nicht vor dem Autorenkino, nicht vor dem Filmemachen und erst recht nicht vor der Politik. Schon die Geschichte ist höchst originell: Der zwar mit einem Kurzfilm-"Oscar" ausgezeichnete, aber weitgehend beschäftigungslose Londoner Regisseur Emil Forester (Matthew Macfadyen) wird als Ehrengast zu einem Filmfestival in die frühere kaukasische Sowjetrepublik Karastan eingeladen. Der dortige Präsident (Richard van Weyden) gibt sich jovial und demokratisch, ist in Wirklichkeit aber ein ziemlich skrupelloser Herrscher.

Um sein Volk hinter sich zu einen, will er die Geschichte des Nationalhelden verfilmen lassen; und das soll Forester übernehmen. Der nimmt den Auftrag gerne an, zumal ihm für das monumentale Projekt offenbar unbegrenzte Mittel zu Verfügung stehen; außerdem darf er auf diese Weise noch ein wenig länger die Gegenwart der schönen Chulpan (MyAnna Buring) genießen. Sie scheint so etwas wie die Filmbeauftragte des Landes zu sein, hütet aber einige brisante Geheimnisse. Emil muss ohnehin lernen, dass in Karastan andere Regeln gelten, weshalb er erst mal in diverse Fettnäpfchen tritt. Als ihm dämmert, dass er sich ziemlich naiv auf einen Faustischen Pakt eingelassen hat, ist es fast zu spät, weil er mitten in die Wirren einer Revolution gerät.

Regisseur Ben Hopkins ist mit "Welcome to Karastan" eine wunderbare Mischung gelungen. Die als deutsche Koproduktion entstandene Komödie beginnt als kleiner Film mit großartigen bissigen Dialogen, wandelt sich während der Dreharbeiten zu einem episch fotografierten Werk, das trotz der imposanten Schönheit des Kaukasus (gedreht wurde in Georgien) wie die ironische Version einer "Making of"-Reportage wirkt, um am Ende wieder zu ursprünglichen Form zurückzufinden. Die Hauptdarsteller sind herausragend gut, die Bildgestaltung ist vorzüglich und überrascht auch mal mit einer Sequenz, die wie ein Scherenschnitt wirkt, aber das Beste ist die Geschichte, die immer wieder mit unerwarteten Wendungen verblüfft. Der Humor ist dabei gelegentlich durchaus speziell: Als Emil beim Festival seinen preisgekrönten, aber auch nicht gerade jugendfreien Film präsentiert, stellt er erst während der Vorführung fest, dass im Kino ausschließlich Kinder sitzen. Auf solche und ähnliche Weise durchkreuzen Hopkins und sein Koautor Pawel Pawlikowski, der für "Ida" den Europäischen Filmpreis und den "Oscar" bekommen hat, immer wieder mit herrlich absurden Einfällen die Erwartungen.

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