Koch und Manzke: Ökumene wichtig für Rolle der Kirchen in der Welt

Koch und Manzke: Ökumene wichtig für Rolle der Kirchen in der Welt
Der Präsident des päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Kurt Koch, hat die Bedeutung der Ökumene für das Wirken der Kirchen auf säkularisierte Gesellschaften hervorgehoben. "Die Evangelisierung muss einen ökumenischen Notenschlüssel haben, damit ihre Melodie nicht kakophonisch, sondern symphonisch erklingt", sagte Koch am Mittwoch bei einem Studientag an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom.

Bereits bei ihrer Entstehung im 20. Jahrhundert sei die ökumenische Bewegung als Friedensbewegung wahrgenommen worden, betonte Koch. Dieselbe Bedeutung komme ihr auch in der heutigen Welt zu, die von sozialer Ungerechtigkeit, der Flüchtlingskrise, kriegerischen Auseinandersetzungen und Terrorismus belastet sei. Ziel der Ökumene sei, dafür zu sorgen, dass durch einen Prozess der Versöhnung und der Aufarbeitung aller noch trennenden Differenzen "die verschiedenen Kirchen zwar Kirchen bleiben und doch eine Kirche werden" und solcher Einheit in Vielfalt sichtbaren Ausdruck geben.

Kirche kann nur Zeichen der Einheit der Menschheit sein, wenn sie selbst eins sei

Christen müssten sich die Frage stellen, wie die Kirche zur Einheit der gesamten Menschheit beitragen könne, wenn sie noch immer das peinliche Schauspiel ihrer eigenen Gespaltenheit biete, mahnte Koch. Die Reformatoren hätten die Kirche keineswegs spalten, sondern erneuern wollen, sagte er bei der Veranstaltung anlässlich des 500. Reformationsjubiläums.

Der Ökumene-Beauftragte der Lutherischen Kirchen in Deutschland, Landesbischof Karl-Hinrich Manzke, sagte, wirksames Zeichen der künftigen Einheit der Menschheit könne die Kirche nur dann sein, wenn sie selbst eins sei. Im gegenwärtigen Zustand der Zerrissenheit spiegele sie durch ihre eigene Trennungsgeschichte dagegen die Spaltungen der Welt. Manzke, Bischof der schaumburg-lippischen Landeskirche mit Sitz in Bückeburg, ist Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

Einheit der Kirchen nur in der Pluralität der vorhandenen christlichen Gemeinschaften möglich

Mit Blick auf die katholische Kirche, die die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen "als defekte, unvollständige Realisierungen des Wesens von Kirche" beurteile, fragte Manzke, ob diese nicht auch selbst mit Mängeln behaftet sei, solange sie nicht die sichtbare Einheit aller Christen verwirkliche. Einheit der Kirchen sei nur in der Pluralität der vorhandenen christlichen Gemeinschaften möglich. Sie sei heute "nicht möglich als Überwindung der Pluralität christlicher Kirchen".

Die evangelische Kirche feiert bis Oktober 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.

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