Journalist Kanthak kritisiert Verfall der Debattenkultur

Der Journalist Dietmar Kanthak hat einen Niedergang der Debattenkultur in Deutschland beklagt. Feindseligkeit, Aufhetzung, Desinformation und Shitstorms bestimmten den Ton, sagte der stellvertretende Chefredakteur und Feuilleton-Chef des Bonner "General-Anzeigers" am Sonntagabend in einer Kanzelrede in der evangelischen Kreuzkirche in Bonn.

Vor allem im extremen rechten Milieu seien "sprachliche Exzesse, unappetitliche und manchmal menschenverachtende Parolen" an der Tagesordnung. "Zum rhetorischen Arsenal gehören gefälschte Fakten, Lügen und kalkulierte Verdrehungen", sagte Kanthak laut Redemanuskript.

Doch auch antirechte Intellektuelle und Journalisten hätten sich "in ihrem Engagement gegen rechts die kommunikative Rüpelei, die sie gern wortreich beklagen, zu eigen gemacht", erklärte der Gastredner. "Mit allem, was dazugehört: Schimpfen, Weghören, Ausgrenzung, Kommunikationsverweigerung und fragwürdige Positionen." Begriffe wie "Mob", "Pack", "Idioten" und "Dumpfbacken" gehörten mittlerweile zum Vokabular mancher Medienleute.

Diese Entwicklung habe katastrophale Folgen für den öffentlichen Diskurs, beklagte Kanthak, der von einer "zunehmenden Verrohung der Sitten" sprach. Er rief die Gesellschaft dazu auf, den "emotionalen Klimawandel" so ernst zu nehmen wie den globalen. Es werde Zeit, "dass sich die Debatten- und Streitkultur in Deutschland dem Ernst der Themen" anpasse. "Für das Wahljahr 2017 kann man sich nur wünschen, dass die Vernunft den Ton bestimmt", erklärte der Journalist.

In der Reihe "Kanzelreden" laden das Evangelische Forum Bonn und die Kreuzkirchengemeinde regelmäßig Prominente aus Gesellschaft und Kultur, Politik und Wirtschaft ein.