OECD-Studie: Mehr Mütter in Deutschland arbeiten

Deutschland spricht 2019
OECD-Studie: Mehr Mütter in Deutschland arbeiten
In Deutschland arbeiten einer neuen Studie zufolge immer mehr Mütter mit Kindern unter 18 Jahren. Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem Elterngeld habe Deutschland wichtige Voraussetzungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen, hieß es in der am Montag veröffentlichten Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

In Deutschland waren 2014 rund 67 Prozent der Mütter erwerbstätig, ungefähr so viele wie im OECD-Schnitt. Im Jahr 2000 waren es noch 59 Prozent gewesen. In Dänemark und Schweden arbeiteten rund 82 Prozent der Mütter. Mit 39 Prozent seien jedoch überdurchschnittlich viele deutsche Mütter in Teilzeit beschäftigt. Außerdem arbeiteten sie mit durchschnittlich 20 Stunden relativ kurz. Nur in den Niederlanden und in Österreich ist die Teilzeitquote unter Müttern noch höher. Nach der Studie übernehmen Frauen in Deutschland zudem fast zwei Drittel der Hausarbeit, der Betreuung von Kindern und anderen Familienangehörigen. Paare mit höherem Einkommen und höheren Abschlüssen teilten die unbezahlte Führsorgearbeit gerechter auf.

Mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem Elterngeld habe Deutschland wichtige Voraussetzungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen, heißt es in der Studie. Ein wichtiger Faktor für Veränderung ist der Studie zufolge außerdem die Einstellung: Die Zahl der Deutschen, die die Meinung vertraten, dass Mütter mit einem Kleinkind überhaupt nicht arbeiten sollten, habe sich zwischen 2002 und 2012 auf rund 22 Prozent halbiert. Im OECD-Vergleich landete Deutschland bei der Aufteilung der Elternzeit zwischen Müttern und Vätern im Punkt Geschlechtergerechtigkeit auf Platz zwei - direkt hinter Schweden.

Schwesig will Väter zu mehr Zeit für Kinder ermutigen

"Deutschland hat in den vergangenen Jahren die Voraussetzungen für die Erwerbstätigkeit von Müttern deutlich verbessert", sagte die OECD-Sozialexpertin Monika Queisser am Montag. Die hohe Teilzeitquote bei Müttern zeige jedoch, dass eine wirklich ausgeglichene Arbeitsaufteilung in den meisten Familien noch nicht die Regel sei. "Dies schwächt nicht nur die wirtschaftliche Stellung von Frauen, angesichts des demografischen Wandels bleiben so auch wirtschaftliche Potenziale ungenutzt", sagte Queisser.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte am Montag in Berlin, sie wolle Väter ermutigen, sich mehr Zeit für ihre Kinder zu nehmen, und Mütter ermutigen, ihre Chancen im Berufsleben zu ergreifen."Die Ergebnisse der OECD machen deutlich: Die Idee der Familienarbeitszeit mit dem Familiengeld ist der richtige Weg."

Die familienpolitische Sprecherin der Grünen, Franziska Brantner, forderte, Müttern endlich aus der "Teilzeitfalle" zu helfen. Das Elterngeld müsse länger und flexibler gezahlt werden.

Der OECD-Bericht empfiehlt unter anderem, mehr Väter zur Inanspruchnahme von Elternzeit zu ermutigen. Klein- und Grundschulkinder sollten besser und flexibler betreut werden können. Auch ein Anspruch auf Rückkehr zu voller Erwerbstätigkeit nach einer familienbedingten Teilzeitphase könne helfen.