US-Korrespondenten: Trump-Team verbreitet "Unwahrheiten"

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US-Korrespondenten: Trump-Team verbreitet "Unwahrheiten"
Journalisten in der US-Hauptstadt Washington zeigen sich angesichts des rüden Umgangs von Präsident Donald Trump mit der Presse kämpferisch. "Wir werden dafür kämpfen, dass wir unsere Aufgaben weiter machen können", sagte der Präsident der Korrespondenten-Vereinigung am Weißen Haus, Jeff Mason, am Montag im Deutschlandfunk.

Zugleich werde man sich weiter um eine "konstruktive Beziehung" zum neuen Staatschef bemühen. Die Angaben des Weißen Hauses über Besucherzahlen bei der Inauguration nannte Mason "Unwahrheiten". Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) äußerte sich besorgt.

Der Sprecher Trumps, Sean Spicer, hatte am Wochenende bei seiner ersten Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt, die Medien hätten absichtlich falsch über die Zahl der Besucher auf der Washingtoner Mall berichtet: "Das war die größte Zuschauerzahl, die jemals einer Amtseinführung beigewohnt hat", sagte Spicer: "Punkt." Auch drohte er, die Medien dafür "zur Rechenschaft zu ziehen".

Der Präsident der Korrespondenten-Vereinigung am Sitz des US-Präsidenten sagte dazu, dass Politiker manchmal nicht alles sagten oder versuchten, irgendetwas zu verteidigen, sei nicht ungewöhnlich: "Aber richtig Unwahrheiten zu sagen, und zwar öffentlich im Weißen Haus, so was geschieht nicht oft. Das habe ich selber nie gesehen", sagte Mason. Es gebe auch keine "alternativen Fakten". Als solche hatte Trumps Beraterin Kellyanne Conway die Spicer-Äußerungen am Sonntag im Sender NBC bezeichnet.


Trump selber hatte den US-Medien am Samstag vorgeworfen, über die Zuschauerzahl bei seiner Vereidigung gelogen zu haben. Er habe am Freitag am Kapitol, dem Sitz des US-Kongresses, "eine Million, anderthalb Millionen Menschen" gesehen. 

Mason betonte, Aufgabe der Presse sei es, sich weiter an die Fakten zu halten. Auch wenn Trump und sein Team dies nicht immer täten. Auch sei es wichtig, die Presse-Briefings im Weißen Haus beizubehalten, sagte der Journalist mit Verweis auf die US-Verfassung und das sogenannte "First Amendment", das die Pressefreiheit garantiere.

Er befürchte, dass es zu faktischen Einschränkungen der Pressefreiheit kommen könne, sagte Mason angesichts der Drohung von Spicer und der wiederholten Äußerung Trumps, er befinde sich im Krieg mit den Medien. Trump habe als Präsident seinen Umgang mit den Medien nicht geändert, wie er gehofft habe, sagte Mason. Dass Pressesprecher Spicer Journalisten bei der ersten Pressekonferenz keine Fragen gestattet habe, sei "nicht normal". Allerdings rechne er, Mason, nicht damit, dass die Presse aus dem Weißen Haus verbannt würde, wie schon befürchtet werde.

Sorge um Formulierung "alternative Fakten"

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Frank Überall, sieht die Formulierung "alternative Fakten", die nicht viel anderes als Lügen bedeute, mit großer Sorge. "Wenn jetzt privilegierte Quellen, also hier der Staat in den USA, Falschmeldungen herausgibt und die dann auch noch seltsamerweise rechtfertigt, dann kann einem Angst und Bange werden", sagte Überall im Sender SWRinfo. Wenn mit dem Begriff der "alternativen Fakten" gearbeitet werde, sei dies eine Gefahr für jede Diskussionsgrundlage. Es bestehe die Gefahr, "dass das politische und gesellschaftliche Diskurs-Klima vergiftet wird".

Journalisten müssten sich dem entgegenstellen, forderte Überall. "Wir müssen noch sorgfältiger nicht nur arbeiten, sondern auch dokumentieren, noch deutlicher argumentieren, um gegen eine solche Schwemme möglicherweise von 'alternativen Fakten', auf Deutsch: Falschdarstellungen, anzukämpfen."

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