Käßmann: Europas Kirchen schaffen Verbundenheit

Käßmann: Europas Kirchen schaffen Verbundenheit
Margot Käßmann hat die Kirchen in Europa aufgefordert, gemeinsam Zeichen der Solidarität zu setzen. "Wir dürfen die Rede vom christlichen Abendland mit seinen Werten nicht rechtspopulistischen Gruppen überlassen", schreibt die Botschafterin der evangelischen Kirche für das 500. Reformationsjubiläum 2017 im evangelischen Monatsmagazin "chrismon" (Oktober-Ausgabe).

Käßmann räumt ein: "Wenn wir ehrlich sind, ist die Solidarität der Kirchen offenbar auch nicht größer als die der Staaten." So werfe die russisch-orthodoxe Kirche den westlichen Kirchen Abfall vom Glauben vor. Und Papst Franziskus sei mit seinem Aufruf, jede katholische Gemeinde solle Flüchtlinge aufnehmen, in Polen "nicht gerade auf begeisterte Resonanz" gestoßen.

Dennoch habe sie bei ihren Reisen durch Europa einen "Geist der Verbundenheit" gespürt. Die Kirchen "verbindet der gemeinsame Glauben über nationale Grenzen hinweg". Sowohl die Bibel, als auch Gebete, Gesten und Symbole könnten kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren überwinden, ist Käßmann überzeugt.

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"Wir sollten in der Lage sein, grenzübergreifend zu zeigen, dass wir offen sind für Menschen, die wie einst Paulus übers Mittelmeer kommen", schreibt die Theologin weiter: "Denn es geht um Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Solidarität, statt um Geld, Gier, Geiz, um Gemeinschaft, statt um Abschottung."