TV-Tipp: "Schon wieder Henriette" (3sat)

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TV-Tipp: "Schon wieder Henriette" (3sat)
20.9., 3sat, 20.15 Uhr: "Schon wieder Henriette"
Die verwitwete Wienerin Henriette Frey gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Kunstrestauration, ist nun jedoch pensioniert und verbringt den Lebensabend gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten Ferdinand. Als ein angeblich vielversprechender Nachwuchskünstler ermordet wird und der Verdacht umgehend auf seine Geliebte ("Topmodel"-Siegerin Barbara Meier) fällt, greift Henriette der örtlichen Polizei ein wenig unter die Arme.

Es gibt in der filmischen wie auch in der literarischen Krimigeschichte derart viele Hobbydetektivinnen, dass das Genre wahrlich keinen weiteren Zuwachs braucht; es sei denn, Christiane Hörbiger ist mit von der Partie. Außerdem ist "Schon wieder Henriette" ein Film von Nikolaus Leytner, der die Schauspielerin zu einigen ihrer besten Leistungen geführt hat, darunter neben der großartigen Dürrenmatt-Adaption "Der Besuch der alten Dame" zuletzt das berührende Alzheimer-Drama "Stiller Abschied". Im Gegensatz zu diesen beiden herausragenden Werken ist die jüngste Zusammenarbeit (nach einem Drehbuch von Jens Urban und Katarina Bali) eine Komödie: Die verwitwete Wienerin Henriette Frey gilt als Koryphäe auf dem Gebiet der Kunstrestauration, ist nun jedoch pensioniert und verbringt den Lebensabend gemeinsam mit ihrem neuen Lebensgefährten Ferdinand (Erwin Steinhauer) im beschaulichen Krems. Da Henriette dem verstorbenen Gatten, einst Oberinspektor bei der Wiener Kriminalpolizei, stets eine große Hilfe war, kann sie selbstredend auch in Krems nicht von ihrem Hobby lassen: Als ein angeblich vielversprechender Nachwuchskünstler ermordet wird und der Verdacht umgehend auf seine Geliebte ("Topmodel"-Siegerin Barbara Meier) fällt, greift Henriette der örtlichen Polizei ein wenig unter die Arme. Selbstredend ist das den Gendarmen gar nicht recht, zumal die Hobbydetektivin ihnen stets einen Schritt voraus ist.

Die kriminalistische Ebene ist keineswegs unoriginell, aber natürlich lebt der Film vor allem davon, wie viel Spaß es macht, Frau Hörbiger bei der Arbeit zuzuschauen, zumal Landsmann Erwin Steinhauer ihr auch im fünften gemeinsamen Werk (unter anderem "Die Geschworene", ebenfalls von Leytner) ein sehenswerter Partner ist. Ferdinand ist Paukist des örtlichen Sinfonieorchesters, und auch für die weiteren Nebenfiguren (unter anderem Elena Uhlig, Harald Schrott, Alexander Held und Rüdiger Vogler) hat sich das Autorenduo ungewöhnliche Details einfallen lassen. Die sanft boshaften Dialoge Hörbigers sind ohnehin wunderbar. Weil Sender und Produzenten bei der Besetzung gerade von Schurkenrollen meist erschreckend einfallslos sind, ahnt man zwar früh, wer den Künstler auf dem Gewissen hat, doch die Details der Auflösung sind durchaus unerwartet. In den schönsten Momenten, und davon gibt es eine ganze Menge, ist "Schon wieder Henriette" beste Boulevardkomödie, dafür sorgen schon allein die regelmäßigen Zusammenstöße zwischen Henriette und dem Chefermittler, den ausgerechnet der Tiroler Harald Schrott als sturen Inspektor preußischen Zuschnitts verkörpert. 

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