Turm der Garnisonkirche: Huber und Stolpe plädieren für Wiederaufbau

Turm der Garnisonkirche: Huber und Stolpe plädieren für Wiederaufbau
Der Berliner Altbischof Wolfgang Huber hat für den Wiederaufbau des Turms der zerstörten Potsdamer Garnisonkirche geworben. Bei einem ZDF-Fernsehgottesdienst sagte der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag in Potsdam, die brandenburgische Landeshauptstadt solle mit dem Garnisonkirchenturm einen Ort erhalten, der für Frieden stehe. Zugleich solle eines der Wahrzeichen Potsdams wiederentstehen. Mehrere Dutzend Gegner des Wiederaufbaus demonstrierten vor dem Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK), wo der Gottesdienst stattfand.

Huber erinnerte in seiner Predigt daran, dass der Turm nicht vom Krieg zerstört, sondern vom Hochmut Walter Ulbrichts zu Fall gebracht worden sei. Dort, wo Soldaten in den Krieg geschickt wurden, wollten nun Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander Frieden lernen und Schritte der Versöhnung gehen.

Auf die Kritik der Gegner des Wiederaufbaus eingehend fragte Huber, ob ein einzelnes Gebäude mit den Ereignissen eines Tages und einer Epoche verbunden werden könne. Auch im Berliner Dom etwa seien im Ersten und Zweiten Weltkrieg schreckliche Kriegspredigten gehalten worden. "Gebäude sind nicht magisch an den Geist der Vergangenheit gekettet, in ihnen kann ein neuer Geist reifen", sagte der Berliner Altbischof, der auch Vorsitzender des Kuratoriums der Garnisonkirchenstiftung ist.

Auch der langjährige Kirchenjurist und frühere brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) ging auf die Bedenken der Gegner des Wiederaufbaus ein. Er nehme die Argumente ernst, besonders die Sorge vor wachsendem Nationalismus. Fremdenhass, Intoleranz und Rassismus könnten die Gesellschaft zerstören. Der wiederaufgebaute Turm der Garnisonkirche könne hingegen ein Symbol für Frieden und Verständigung werden.

Mehr zu Garnisonkirche
Der neue Potsdamer Garnisonkirchturm im Gerüst.
Seit vier Jahren wird am neuen Potsdamer Garnisonkirchturm gebaut und über das Für und Wider heftig diskutiert. Bei der Aufarbeitung der NS-Geschichte der evangelischen Kirche gebe es noch viel zu tun, sagt der Historiker Manfred Gailus.
Garnisonkirche Podsdam
Der neue Garnisonkirchturm in Potsdam wächst. Kritiker bemühen sich weiter, die umstrittene Geschichte der einstigen Militärkirche dabei stärker zum Thema zu machen. Dazu haben sie nun den Nationalprotestantismus in den Blick genommen.

Gegner des Bauvorhabens hatten parallel zu dem ZDF-Fernsehgottesdienst Proteste unter dem Motto "Mal wieder Zeit für ne ordentliche Reformation" aufgerufen. Bei einem stillen Protest mit Plakaten und Spruchbändern war etwa zu lesen "Bürger begehren gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche". Nach Angaben der Bürgerinitiative "Potsdam ohne Garnisonkirche" beteiligten sich etwa 100 bis 150 Menschen. Bei einer symbolischen "Bauernrevolte" im Anschluss an den Gottesdienst erinnerten Teilnehmer mit Mistgabeln und einem Steckenpferd an die Reformation vor 500 Jahren.

Der ZDF-Fernsehgottesdienst sollte ursprünglich auf der Brache am historischen Standort der Potsdamer Garnisonkirche gefeiert werden. Die kirchliche Feier wurde jedoch aus technischen und Sicherheitsgründen in das Gebäude der Industrie- und Handelskammer (IHK) auf der gegenüberliegenden Straßenseite verlegt.

Die 1732 eingeweihte Garnisonkirche gehörte einst zu den bekanntesten Wahrzeichen Potsdams. 1933 wurde die evangelische Militärkirche am "Tag von Potsdam" von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung genutzt, Hitler gab dort eine Regierungserklärung ab. 1945 brannte die Barockkirche nach einem alliierten Luftangriff aus. 1968 wurde die Ruine in der DDR abgerissen. Seit Jahren bemühen sich verschiedene Akteure um den Wiederaufbau. Die Pläne sind umstritten, unter anderem weil die Garnisonkirche als Symbol des preußischen Militärs gilt.