Präses Rekowski: Mehr Geld für Integration statt Steuersenkungen

Präses Rekowski: Mehr Geld für Integration statt Steuersenkungen
Der rheinische Präses Manfred Rekowski hat den Staat aufgefordert, mehr Geld für die Integration von Flüchtlingen bereitzustellen. "Wenn wir die Integration hinbekommen wollen, müssen wir Geld in die Hand nehmen für Wohnungen, Kitas und Schulen, statt über mögliche Steuersenkungen zu schwadronieren", sagte der neue Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Düsseldorf dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Flüchtlinge müssten in Deutschland ihren Schulabschluss machen können und in Arbeit kommen, um schnell die Spielregeln der hiesigen Gesellschaft zu lernen.

"Arbeit vermittelt den Zugezogenen auch ein wichtiges Selbstwertgefühl: Ich kann meinen Beitrag leisten in dieser Gesellschaft", betonte der 58-jährige Theologe. Er warb für "mehr unbürokratische Lösungen, um Menschen den Einstieg in unsere Gesellschaft zu ermöglichen". Um Konflikte um Kitaplätze und Wohnraum zu vermeiden, sollten Kommunen die Flüchtlinge nicht gerade dort vermehrt unterbringen, wo bereits viele Familien in prekären Verhältnissen leben.
 

Kritik äußerte Rekowski an der Aussetzung des Familiennachzugs für Menschen mit eingeschränktem Schutzstatus durch das Asylpaket II. "Der Familiennachzug für anerkannte Flüchtlinge ist schon aus humanitären Gründen geboten, er erleichtert aber auch die Integration", sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. "Es ist verwunderlich, dass Parteien, die sonst als Hüter der Familie auftreten, geflüchteten Menschen das Zusammenleben mit ihren nächsten Angehörigen versagen wollen."

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Die vor einem Jahr von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffene Entscheidung, Tausende in Budapest gestrandete Flüchtlinge nach Deutschland einreisen zu lassen, hält Rekowski auch im Rückblick für "absolut richtig und angemessen". Viele Bürger hätten das seinerzeit genauso gesehen. "Es wäre doch keine Alternative gewesen, sich wegzuducken, während gestrandete Menschen unterwegs nach nirgendwo durch Europa irren", sagte der oberste Repräsentant der zweitgrößten deutschen Landeskirche.

Der politische Umgang mit Flüchtlingen habe sich jedoch seit dem Herbst 2015 vollkommen umgekehrt, beklagte Rekowki: "Wir sind als Völkergemeinschaft weiter von einem Beitrag zur Lösung des Weltproblems Flucht entfernt als zuvor und die Suche nach Lösungen stagniert in dramatischer Weise." Obwohl sich die Europäische Union als Wertegemeinschaft verstehe, sei die bisherige Hilfe der EU-Staaten dürftig im Vergleich mit Ländern wie dem Libanon oder Jordanien. Die EU "müsste es doch hinbekommen, einen substanziellen Beitrag zur Lösung des Fluchtproblems zu leisten und nicht nur die Grenzen zu schließen", sagte Rekowski.