Gottes Werkzeug oder gefährliche Technik?

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Eingriffe in die DNA des Menschen wecken Hoffnung aber auch ethische Bedenken.

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Gottes Werkzeug oder gefährliche Technik?
Die Gen-Schere Crispr-Cas9 weckt Hoffnungen auf ein Ende vieler Krankheiten. Sie kann Schlechtes im Erbgut einfach wegschneiden. Der tiefgreifende Eingriff in die DNA des Menschen weckt aber auch ethische Bedenken.
22.06.2016
Von Corinna Buschow (epd)
epd

Berlin (epd). Bakterienresistenter Reis, Ausrottung der Malaria, gezüchtete Spenderorgane: Die bislang beschworenen Möglichkeiten von Crispr-Cas9 klingen wie Heilsversprechen. Hinter der komplizierten Abkürzung steckt ein technisches Verfahren zur Veränderung des Erbguts durch eine Schere, die direkt in der DNA schneiden, löschen oder verändern kann. Crispr-Cas9 ist präzise und kostengünstig, starke Nebenwirkungen sind im bisherigen frühen Stand der Forschung nicht bekannt. Die Euphorie ist daher groß. Ethiker bremsen die Freude, weil die Genveränderungen auf Dauer in den natürlichen Lauf der Dinge eingreifen würden. "Können wir das verantworten", fragte der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, am Mittwoch bei der Jahrestagung des Gremiums.

Zunächst weiter forschen

Um sich ein Urteil zu bilden, hatte der Ethikrat Experten eingeladen. Der Würzburger Biologe Jörg Vogel schilderte die Möglichkeiten, die Crispr-Cas9 bietet. In Versuchen an Fluchtfliegen sei gezeigt worden, dass durch eine gezielte Veränderung in der DNA die Übertragung des Malaria-Erregers verhindert werden kann, erklärte Vogel. Die Veränderung überträgt sich in nachkommende Mückengenerationen. Innerhalb von zehn bis 20 Mückengenerationen könne die Genveränderung durchgedrungen sein, erklärte Vogel, der Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina ist.

Skeptischer äußerte sich der frühere Medizinprofessor Karl Welte. Bei Crispr-Cas9 könnten unbeabsichtigte Mutationen nicht ausgeschlossen werden. Das Enzym, das die DNA zerschneidet, verändere oftmals auch an anderer Stelle. Welte plädierte dafür, solange Crispr-Cas9 nicht genauer erforscht ist, weiter eher auf bestehende Gen-Therapien wie Stammzellbehandlung oder Präimplantationsdiagnostik zu setzen.

Inwieweit der Einsatz der Gen-Schere am menschlichen Genom überhaupt erlaubt ist, ist nach den Worten des Medizinrechtlers Jochen Taupitz umstritten. Zwar verbiete das Embryonenschutzgesetz die künstliche Veränderung der menschlichen Keimbahn. Das 26 Jahre alte Gesetz zeige aber aufgrund der technischen Fortentwicklung heute Lücken. So dürften Keimzellen verändert werden, wenn sie nicht zur Befruchtung verwendet werden oder zur Erhaltung des Embryos dienen - das könnte bei Crispr-Cas9-Veränderungen der Fall sein. Der Gesetzgeber müsse überlegen, ob er diese Lücke schließen wolle, sagte Taupitz.

Langfristige Wirkung der Eingriffe

Wegend der noch unklaren Wirkungen und Konsequenzen von Crispr-Cas9 forderte der Grünen-Abgeordnete Kai Gehring ein Moratorium für die Anwendung des Verfahrens am Menschen. Dies solle eine Denkpause verschaffen, sagte er. "Weder dürfen wir zulassen, dass die neuen Möglichkeiten den Selbstoptimierungswahn unserer Gesellschaft weiter auf die Spitze treiben, noch darf die Technik in falsche Hände geraten oder schwere Schäden anrichten", sagte er.

Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, beurteilte ein Moratorium dagegen skeptisch, sondern plädierte eher für ein internationales Verbot von Eingriffen in menschliche Keimbahnen vergleichbar dem Klon-Verbot. Huber verwies vor allem auf die langfristige Wirkung der genetischen Eingriffe, die sich nicht auf das Individuum beschränken, sondern auf Dauer weitervererbt werden. Dem könne ein zeitlich befristetes Moratorium nicht Rechnung tragen.

Auch Huber, der früher selbst dem Ethikrat angehörte, warnte vor übertriebenem Einsatz der Technik. Es gebe eine Grenze zwischen Therapie und Perfektion sowie Leidvermeidung und Glücksvermehrung, sagte er. Er plädierte für eine Abwägung. Cripr-Cas9 dürfe weder als "Gottes Werkzeug" verherrlicht noch verdammt werden als Methode, "Gott zu spielen", sagte er. Es spreche ethisch und moralisch einiges dafür, Therapien auf Grundlage von Crispr-Cas9 zu fördern, argumentierte Huber. Auf Eingriffe in die menschliche Keimbahn mit bislang unabsehbaren Folgen solle man aber absehen, solange es moralische Bedenken gibt.

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