Einen Tag Bayern erzählen: BR plant Großprojekt

Einen Tag Bayern erzählen: BR plant Großprojekt
Am kommenden Freitag werden 100 Kamerateams des BR fast ebenso viele Menschen im ganzen Freistaat einen Tag lang von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr morgens in ihrem Alltags-Leben begleiten. Entstehen soll eine 24-stündige Echtzeit-Dokumentation.

Volker Heise plant dieser Tage eine "Expedition", wie er sagt - allerdings keine ganz gewöhnliche. Oder besser: Eine ungewöhnlich gewöhnliche. Denn die "Expedition" des Regisseurs findet an einem normalen Werktag in Bayern statt. Und sie führt "in den Alltag". Heise führt das filmische Zepter im Doku-Projekt "24h Bayern" des Bayerischen Rundfunks (BR).

Für Heise ist das Mammutprojekt dabei nur teilweise Neuland. Der 54-Jährige hat bereits die Filme "24h Berlin" und "24h Jerusalem" nach einem ähnlichen Muster gedreht. Respekt hat der Filmemacher nun aber nach eigenen Angaben vor dem schieren Ausmaß des Gebiets, dessen tägliches Leben er dokumentieren will: "Wenn man sich die Größe des Landes anschaut, merkt man schnell: 100 Teams sind eigentlich ganz schön wenig", erklärt Heise bei der Vorstellung der Planungen am Dienstag in München.

Ziel ist, die Heimat zu vermessen

Ein Film, der "Heimat vermessen" will, wie es BR-Fernsehdirektor Reinhard Scolik fasst, muss sich natürlich auch kritischen Fragen stellen. Etwa: Wie soll "Normalität" von einer zentralen Warte aus erfasst werden? Laut Heise haben die Überlegungen mit einem Blick ins Statistische Jahrbuch begonnen. "Da sieht man dann schon ein paar schöne Sachen", sagt er - vom Bauernhofsterben bis zur Migration und dem demografischen Wandel. "Es werden immer weniger Bayern geboren, aber es werden immer mehr Menschen in Bayern. Da fragt man sich schon: Was macht das mit so einem Land?"

Gefunden haben zehn Rechercheure des BR laut Heise schließlich beispielsweise "Hausfrauen, Schreiner, Angestellte in Großbetrieben, Arbeitslose, Flüchtlinge, Leute, die U-Bahnen fahren, und Leute, die in U-Bahnen fahren". Aber auch "harten Themen" soll sich die Doku widmen: So soll auch in einem Hospiz und einem Krankenhaus gedreht werden. "Wir müssen eine Art menschliche Komödie erzählen, von der Geburt bis zum Tod, mit allem was dazugehört. Und das müssen wir auch feiern. Denn das ist unser Leben", sagt der Regisseur.

Menschen sollen Projekt aktiv unterstützen

Zusätzliche Unterstützung erhofft sich der Bayerische Rundfunk von den Menschen in seinem Berichterstattungsgebiet. Denn die können über das Internet selbst Videos und Fotos einreichen, die in eigenen Rubriken einen Platz im 24-Stunden-Film oder auch in einer Projektseite im Netz finden sollen. "Wir möchten die Menschen auffordern und motivieren, am 3. Juni mitzumachen. Jeder kann uns zeigen, wie er seinen Tag erlebt", erklärt die zuständige Redakteurin Sonja Scheider.

Ganz praktische Probleme gebe es bei so einem Großprojekt natürlich auch, erzählt Heise. Etwa wenn man das Leben in einer Schule begleiten und die Zustimmung aller Beteiligten einholen wolle. "Das ist für uns ein Alptraum. Sie haben einen Schüler, sie haben die Eltern des Schülers, die sind vielleicht getrennt und der Vater lebt in Thailand. Und da bekommen sie womöglich die Zustimmung - aber dann gehen sie auf den Pausenhof und da sind noch mehr Schüler!" Heißt: "Es gibt Protagonisten, die haben jetzt schon drei, vier Aktenordner voller Drehgenehmigungen."

Sendung soll Anfang 2017 laufen

Entstehen sollen am Ende dennoch rund 800 Stunden Filmmaterial aus der Arbeit der offiziellen Filmteams, die teils von bekannten Regisseuren wie Doris Dörrie oder Marcus H. Rosenmüller angeführt werden, teils von noch unbekannten Studenten der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen. Es werde allein vier Wochen dauern, das Material zu sichten, sagt Heise. Ausgestrahlt werden soll die Doku nach monatelangen Arbeiten dann Anfang Juni 2017.

Zeigen soll "24h Bayern" dann echten Alltag, hofft Heise. Die Spannung der Doku entstehe, wenn man ganz gewöhnliche Geschichten nebeneinander stelle, meint er: "Man kann seine eigene Blase verlassen und für einen Tag in andere Blasen schauen. Und dann vielleicht merken, wie daraus Sprudelwasser wird." Der BR-Programmbeauftragte Andreas Bönte erhofft sich darüber hinaus sogar eine Art geschichtsschreiberischen Wert von dem Film, wie er sagt: "Da kann man dann vielleicht auch mal in 50 Jahren zurückschauen: Wie hat sich Bayern entwickelt?"