Kirchliche Wohlfahrtsverbände widersprechen Kritik der AfD

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland.

Foto: epd-bild/Norbert Neetz

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland.

Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas haben die Vorwürfe von AfD-Chefin Frauke Petry, sie verfolgten in der Flüchtlingshilfe eigene Interessen, als "unsinnig" und "unsäglich" zurückgewiesen. Die Evangelischen Frauen in Deutschland sehen in den AfD-Äußerungen Demagogie und Verachtung.

Die Behauptungen der AfD seien "so unsäglich und so verabscheuungswürdig, dass wir uns damit gar nicht weiter befassen wollen", sagte Diakonie-Präsident Ulrich Lilie am Montag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, bezeichnete die Aussagen als "Unsinn". Menschen in Not zu helfen "ist selbstverständlich für Christen", sagte Neher und ergänzte: "Nichts anderes tun wir in der Hilfe für Flüchtlinge." Dafür setze die Caritas auch "viele Eigenmittel" ein.

Am Wochenende hatte Petry die Kritik eines Parteikollegen aus Bayern an der Flüchtlingshilfe der Kirchen bekräftigt. Es gebe eine starke Verflechtung der Kirchen und ihrer Wohlfahrtsverbände in die Aufnahme von Flüchtlingen und "damit natürlich eine Partizipation an den staatlichen Mitteln", sagte Petry in einem Deutschlandfunk-Interview. Bei ihrem Engagement habe die Kirche eigene Interessen.

Auch die Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD) weisen die AfD-Kritik an der Flüchtlingsarbeit der Kirchen als unhaltbar zurück. "Menschen in Not zu helfen, ist ein hohes Gut christlicher Menschen- und Nächstenliebe. Das gilt selbstverständlich auch für Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen", sagte die stellvertretende Vorsitzende des christlichen Frauenverbandes, Angelika Weigt-Blätgen, am Montag in Hannover. Die Kritik der AfD sei reine Demagogie.

Aus Sicht der Evangelischen Frauen qualifiziert die AfD mit ihren Äußerungen auch die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe herab. Ein sehr großer Teil der Hilfe für Geflüchtete werde von Frauen ehrenamtlich geleistet. "Wer diese Arbeit angreift, wie derzeit die AfD, beleidigt, verhöhnt und verachtet Menschen und insbesondere Frauen, die selbstlos anderen in Not helfen", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Kahl-Passoth. Die Positionen der AfD seien mit dem christlichen Menschenbild nicht zu vereinbaren.