Warum gehen wir an Pfingsten raus?

Ökumenischer Open-Air Gottesdienst an Pfingstmontag im Körnerpark in Berlin (Archiv).

Foto: epd-bild/Rolf Zöllner

Ökumenischer Open-Air Gottesdienst an Pfingstmontag im Körnerpark in Berlin (Archiv).

Warum gehen wir an Pfingsten raus?
Zu Pfingsten laden viele Kirchengemeinden – ähnlich wie an Himmelfahrt – zu Gottesdiensten im Grünen ein: Klappstühle und Sonnenhüte nicht vergessen, und zum Kirchkaffee gibt es Grillwürstchen! Woher kommt der Brauch, Pfingsten unter freiem Himmel zu feiern?

Im Saar-Pfalz-Kreis schmücken sich Kinder mit blühenden Ästen und ziehen bei der "Pfingstquacke" durchs Dorf. In Franken werden die Brunnen mit Zweigen verziert, im Raum Baden kürt man "Pfingstkönige", die Kleider aus Grünzeug tragen. Im Raum Basel gibt es den "Pfingstlümmel" aus Stroh und das "Kuckucksholen" im Kraichgau (Baden-Württemberg). In vielen Pfingstbräuchen deutschsprachiger Regionen spielen heute die Natur, Zweige und Blüten, eine Rolle, und oft wird draußen gefeiert.

Als sich Pfingsten das erste Mal ereignete, waren Menschen "aus allen Völkern unter dem Himmel" in Jerusalem zusammengekommen, um das jüdische Wochenfest, genannt Schawuot, zu feiern. Die Apostelgeschichte zählt sie alle auf: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner Mesopotamiens und Judäas, aus Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen sowie Einwanderer aus Rom, Juden, Kreter und Araber. Sie alle kamen nach Jerusalem – und wurden Zeugen der ersten öffentlichen Predigt der Jünger Jesu. So ging aus dem jüdischen Schawuot das christliche Pfingstfest hervor, dessen Name auf das griechische Wort "pentekoste" ("der fünfzigste") zurückgeht: Pfingsten fällt auf den 50. Tag nach Ostern.

Schawuot ist ein Erntedankfest, an dem man die Reife der ersten Früchte feiert, und zugleich das "Fest der Toragebung", mit dem Juden an die Befreiung des Volkes Israel aus Ägypten und den Empfang des göttlichen Gesetzes am Berg Sinai (2. Mose 34ff) erinnern. Es wird sieben Wochen nach Pessach gefeiert – daher auch der Name Wochenfest. In Schawuot klingt auch das hebräische Zahlwort für "sieben" an.

"Brausen vom Himmel"

Zur Zeit der beiden Tempel in Jerusalem (ca. 950 v.Chr. bis 70 n.Chr.) gehörte Schawuot neben Pessach (zur Erinnerung an die Befreiung der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei) und Sukkot (Laubhüttenfest zur Erinnerung an die Wüstenwanderung) zu den drei Wallfahrtsfesten, an denen Juden aus aller Welt nach Jerusalem reisten. Auch wenn einige dieser Menschen in der Stadt "wohnten" (Apg 2,5), hielten sich andere wahrscheinlich nur für ein paar Tage in der Hauptstadt auf – als Pilger. Und es liegt wohl in der Natur von Pilgerfesten, dass sie sich – allein wegen der Menschenmassen – vorwiegend im Freien abspielen.

Unter freiem Himmel könnte man sich auch gut vorstellen, was im Neuen Testament von diesem Wochenfest berichtet wird. Nach der Erzählung in der Apostelgeschichte ergoss sich der Heilige Geist über die Nachfolger Jesu, die unter den Pilgern waren: "Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen", so dass sie in Fremdsprachen predigen konnten, "wie der Geist ihnen gab auszusprechen" (Apg 2,3f). Weil neben den Feuerzungen auch von einem "Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind" (Vers 2) die Rede ist, sind die erstaunlichen Ereignisse am ehesten "open air" vorstellbar, auch wenn am Ende von Vers zwei eindeutig steht: "… erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen". Der weitere Bericht allerdings legt nahe, dass dann doch nicht alle Zuhörenden in das Haus hineingepasst haben dürften, sondern sich (auch) draußen vor der Tür versammelten: "Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen…"

Vor dieser bunten Versammlung nun hielt Petrus eine Predigt – und alle verstanden ihn, denn es hörte "jeder seine eigene Muttersprache" (Apg 2,8). Petrus rief sie auf zu Buße und Taufe, 3.000 Menschen ließen sich der Apostelgeschichte zufolge allein an diesem Tag taufen. Darum erinnert die Kirche an Pfingsten als den Tag, an dem die öffentliche Predigt und Mission begannen.

Juden feiern Schawuot heute mit Gottesdiensten, in denen die zehn Gebote vorgelesen und die Synagogen mit Pflanzen geschmückt werden. "Fünfzig Tage vergehen, bevor sich aus der Apfelblüte eine Frucht entwickelt, fünfzig Tage wartete das Volk Israel in der Wüste, bevor es die Tora aus der Hand des Herrn empfing", so verbindet das talmudischen Traktat Psika Sutrata die beiden Bedeutungen des jüdisches Festes, die naturbezogene und die historische.

Am 10. Mai ist alles grün

Manche der heutigen Pfingst-Traditionen knüpfen offenbar an den Erntebezug von Schawuot und auch an das jüdische Pilgern an – in Prozessionen oder Wanderungen Richtung Waldrand, oder in Frankfurt/M. oder Hamburg auch zu Kirchenfesten mitten in die Stadt. Große Prozessionen gibt es in Schwaben oder auch Korschenbroich (NRW), Umritte und Reiterspiele im Rheinland.

Und natürlich hängt das Feiern im Freien auch ganz einfach mit der Sehnsucht nach Sonne, Wärme und Bewegung zusammen. Der früheste Termin für das Fest ist der 10. Mai, sieben Wochen nach dem ersten möglichen Termin für Ostern. Dieser wiederum richtet sich nach dem astronomischen Frühlingsanfang, der auf der Nordhalbkugel auf den 19., 20. oder 21. März fallen kann – wobei für die Berechnung von Ostern der 21. März zugrunde gelegt wird. Das Fest der Auferstehung wird immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert, also frühestens am 22. März.

Während zu Ostern mancherorts noch Schnee liegen kann und die Kinder ihre Ostereier womöglich im Haus suchen müssen, ist zu Pfingsten – endlich! – mit grünen Bäumen und bunten Blumen zu rechnen, so dass es die Menschen einfach nach draußen zieht.

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