30 Jahre nach Tschernobyl: Verbände fordern Ende für Risikoreaktoren

Fahnen mit dem Anti-Atomkraft-Logo werden am 24.04.2016 in Brokdorf (Schleswig-Holstein) von Aktivisten auf dem Deich neben einem Schriftzug aus Holz der das Abschalten des Kernkraftwerks Brokdorf fordert in die Höhe gehalten.

Foto: dpa/Axel Heimken

Zum 30. Jahrestag von Tschernobyl machen Kernkraftgegner in Brokdorf (Schleswig-Holstein) mit einer Protest- und Kulturmeile auf die Gefahren von Atomenergie aufmerksam.

30 Jahre nach Tschernobyl: Verbände fordern Ende für Risikoreaktoren
Zum 30. Jahrestag der Atomkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl haben Umweltorganisationen das sofortige Abschalten von störanfälligen Reaktoren in Europa gefordert.

"Tschernobyl hat bewiesen, dass die nukleare Technik nicht beherrschbar ist", sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Sascha Müller-Kraenner, am Montag in Berlin. Alle Risikomeiler in der EU müssten vom Netz gehen, die nukleare Gefahr mache nicht an Grenzen halt. Im Südwesten Deutschlands stünden einige der ältesten und baufälligsten Reaktoren Europas. Zudem würden etwa in Philippsburg und Biblis immer wieder Sicherheitsvorschriften missachtet.

Beispiele: Philippsburg und Biblis, Leibstadt und Beznau, Fessenheim und Tihange

Der Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), Olaf Tschimpke, sagte, 30 Jahre nach Tschernobyl seien die Nachrichten noch immer geprägt "von Beinahe-Unfällen und Schlampereien bei der Sicherheit von Atomkraftwerken". Dies sei ein Hohn gegenüber den Opfern der Atomkatastrophe. Der deutsche Atomausstieg bringe keine Sicherheit, "wenn Kontrollen in Atomreaktoren nur vorgetäuscht werden, wie jüngst in Philippsburg aufgedeckt, oder Pannenreaktoren in direkter Grenznähe in Belgien und Frankreich weiterbetrieben werden", betonte der Nabu-Chef. 

Am 26. April 1986 explodierte in Tschernobyl ein Atomreaktor. Die Zahl der Todesopfer und die gesundheitlichen Langzeitfolgen durch die freigesetzte radioaktive Strahlung sind umstritten. Die Weltgesundheitsorganisation geht von rund 8.000 Todesopfern aus. 



Als Beispiele für gefährliche Atomreaktoren nannte die Umwelthilfe neben Philippsburg und Biblis die schweizerischen Atomkraftwerke (AKW) Leibstadt und Beznau, das im elsässischen Fessenheim stehende AKW sowie die belgischen Reaktoren Tihange 2 und Doel 3. Die Gefahr, die von diesen veralteten Kraftwerken ausgehe, sei real und nicht zu rechtfertigen, sagte Müller-Kraenner.

Nabu und Deutsche Umwelthilfe mahnen deshalb eine Überarbeitung des Euratom-Vertrages von 1957 an, nachdem bislang jeder EU-Staat allein über den Bau und Betrieb von AKW entscheiden darf. Nötig seien verbindliche Mindestanforderungen wie etwa eine Umweltverträglichkeitsprüfung vor einer Laufzeitverlängerung. Bisher sei dies nur für den Neu- und Abbau von Kernkraftwerken verpflichtend.

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