Evangelische Friedensverbände fordern atomare Abrüstung in Europa

Evangelische Friedensverbände fordern atomare Abrüstung in Europa
Evangelische Friedensverbände haben den Abzug der US-amerikanischen Atomwaffen aus Europa gefordert.

Der Bundestag habe vor sechs Jahren mit einer großen Mehrheit die Bundesregierung aufgefordert, sich für eine atomare Abrüstung einzusetzen, doch sei bisher nichts geschehen, kritisierten die "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" und die "Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden" in Bonn in einer zum Beginn der Ostermärsche am Donnerstag veröffentlichten Erklärung.

Wolfgang Burggraf von der "Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden" kritisierte, dass die Bundesregierung in der Nato einer Modernisierung der US-Atomwaffen in Europa zugestimmt habe. Außerdem habe die Bundesregierung im Dezember in der Generalversammlung der Vereinten Nationen gegen Resolutionen votiert, die eine ethische Verpflichtung zur Abschaffung und zur Ächtung von Atomwaffen forderten.

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<div class="field-zusatzinfo field-info-zusatzinfo-verwendung-1"><p>Die Ostermärsche der deutschen Friedensbewegung, die am Karsamstag mit fast 80 Kundgebungen ihren diesjährigen Höhepunkt erreichten, haben eine mehr als 60-jährige Tradition. Inspiriert wurden die ersten Aktionen von britischen Friedensaktivisten, die an Ostern 1958 einen dreitägigen Protestmarsch zum Atomwaffen-Forschungszentrum Aldermaston organisierten. An den Ostertagen im April 1960 demonstrierten dann am Truppenübungsplatz im niedersächsischen Bergen-Hohne mehr als tausend Pazifisten gegen Atomwaffen - der erste Ostermarsch für Frieden und Abrüstung in Deutschland.</p>

<p>Die Bewegung wuchs rasch: 1961 waren es bundesweit vier und 1964 bereits 20 Ostermärsche. Nach einer längeren Pause in den 70er Jahren erhielt die Ostermarschbewegung zu Beginn der 80er Jahre mit den Protesten gegen die Stationierung atomarer Mittelstreckenwaffen neuen Auftrieb. Damals kamen Hunderttausende zu den Kundgebungen. Danach wurden die Ostermärsche zwar kleiner, sie erlebten aber etwa während der Kriege etwa im ehemaligen Jugoslawien und am Golf zwischenzeitlich stärkeren Zulauf und sind bis heute identitätsstiftend für die Friedensbewegung.</p>

<p>In den Jahren vor der Corona-Pandemie beteiligten sich regelmäßig mehrere tausend Menschen an den Osteraktionen, die von Mahnwachen, Demonstrationen und Blockadeaktionen über Fahrradtouren und Wanderungen bis zu Friedensgebeten und Friedensfesten reichen. Im Jahr 2020 waren die Kundgebungen pandemiebedingt nur online möglich. Im vergangenen Jahr gab es dann wieder rund hundert öffentliche Ostermarsch-Aktionen.</p>

<p>Thematischer Ausgangspunkt der ersten Ostermarschierer war die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt. Hauptthemen sind weiterhin Kriege und Konflikte sowie Waffenexporte, Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Risiken der Atomkraft.</p>

<p>Immer wieder wurden aber auch neue Themen aufgegriffen, zuletzt etwa die Klimaschutzbewegung. In diesem Jahr stehen Proteste gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine im Mittelpunkt. Kritisiert werden auch eine neue Aufrüstung, Waffenlieferungen und das geplante Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Im Ukraine-Konflikt könne es nur eine Verhandlungslösung geben, eine weitere Eskalation müsse vermieden werden.</p>

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Die beiden Friedensverbände verweisen auf die EKD-Friedensdenkschrift von 2007. Darin habe die Kirche unterstrichen, dass aus der Sicht evangelischer Friedensethik die Drohung mit Nuklearwaffen nicht mehr als Mittel legitimer Selbstverteidigung betrachtet werden könne, sagte Jan Gildemeister von der "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden". Eine Modernisierung der Atomwaffen könne zu einer neuen Aufrüstungsspirale in Europa führen.

Bestätigt sehen sich die beiden Friedensverbände durch eine aktuelle Umfrage: Danach sprechen sich 85 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung für einen Abzug der in Deutschland gelagerten Atomwaffen aus. 93 Prozent seien sogar für ein völkerrechtliches Verbot von Atomwaffen. Die Friedensverbände riefen dazu auf, sich in den kommenden Tagen an den Ostermärschen zu beteiligen.