Flüchtlingsdienst kritisiert Wiederaufnahme des Dublin-Verfahrens

Der Berliner Jesuiten-Flüchtlingsdienst hat die jüngsten Vorstöße von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in der Flüchtlingspolitik scharf kritisiert.

Das sogenannte Dublin-Verfahren auch bei Syrern wieder anzuwenden, sei irrsinnig, sagte der Direktor des Dienstes, Pater Frido Pflüger, am Donnerstag in Berlin. Auch die Idee des beschränkten Familiennachzugs für Asylbewerber könne man "mit einer christlichen Einstellung" nicht zulassen, fügte er hinzu.

1980 gegründet für "boat people" aus Vietnam

Nach dem Dublin-Verfahren müssen Flüchtlinge in dem Land ihren Asylantrag stellen, in dem sie die EU zuerst betreten haben. Dadurch werden Länder an den EU-Außengrenzen wie Italien oder Griechenland besonders belastet. Deutschland hatte seit Anfang August darauf verzichtet, Syrer nach der Dublin-Regel in diese und andere Länder abzuschieben.

Der internationale Jesuiten-Flüchtlingsdienst war 1980 in Reaktion auf zahlreiche Flüchtlinge aus Vietnam, die sogenannten "boat people", gegründet worden. Heute ist der Dienst in mehr als 50 Ländern tätig. Die Zweigstelle in Berlin entstand vor 20 Jahren. Hauptaufgaben des Dienstes sind die seelsorgerliche Begleitung von Menschen auf der Flucht sowie praktische Hilfen und Rechtsberatung.