Ai Weiwei in Deutschland angekommen

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei (r) wird nach seiner Ankunft auf dem Flughafen München von Journalisten umringt.

Foto: dpa/Peter Kneffel

Der chinesische Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei (r) nach seiner Ankunft auf dem Flughafen München.

Ai Weiwei in Deutschland angekommen
Der regierungskritische chinesische Aktionskünstler Ai Weiwei ist in Deutschland angekommen. Der 57-Jährige sei am Donnerstagabend mit einer Maschine aus China auf dem Münchner Flughafen gelandet, bestätigte seine Berliner Galerie Neugerriemschneider dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er wurde dort von der bayerischen Grünenpolitikerin Margarete Bause empfangen.

Ai Weiwei werde zunächst in München bleiben und erst nach einigen Tagen nach Berlin weiterreisen, sagte ein Sprecher der Galerie dem epd. Dem Künstler solle zunächst Zeit gegeben werden, um sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Der Galerie-Sprecher verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass der Dissident erst vor wenigen Tagen seinen Pass nach vier Jahren überraschend zurückerhalten hatte.

Im April 2011 war Ai Weiwei festgenommen worden, als er nach Hongkong ausreisen wollte. Erst nach 43 Tagen gab es wieder ein Lebenszeichen des Künstlers, der schließlich nach drei Monaten freikam, unter Hausarrest gestellt wurde und dann Peking lange nicht verlassen durfte. Ihm wurden damals Steuervergehen in Millionenhöhe vorgeworfen.

Zuletzt konnte er in China aber wieder Ausstellungen realisieren. Ai Weiwei gilt als Künstler, der immer wieder die Grenzen der Meinungsfreiheit in China auslotet. Der Konzeptkünstler hatte bei der Gestaltung des 2008 eröffneten Pekinger Olympiastadions mitgewirkt, aber auch die Behörden wegen Bausünden nach einem Erdbeben kritisiert.

Die Berliner Universität der Künste (UdK) hofft, dass Ai Weiwei schon bald seine dortige Gastprofessur antreten wird. Die Einrichtung stehe für Gespräche mit dem Künstler jederzeit bereit, hieß es. Aus Ai Weiweis Umfeld sei bereits signalisiert worden, dass er demnächst nach Berlin komme, sagte ein UdK-Sprecher am Donnerstag auf epd-Anfrage. Ein Mitarbeiter des UdK-Präsidenten Professor Martin Rennert machte aber auch deutlich, dass dem Künstler die nötige Zeit gelassen werden solle. Zwar seien Hochschulmitarbeiter und Studenten überaus gespannt auf seinen den Amtsantritt, aktuell hätten aber aus seiner persönlichen Situation heraus andere Dinge Priorität.

Der Lehrstuhl wird von der Einstein-Stiftung finanziert, die ihre Zusage auch aufrecht hält. Die Gastprofessur ist auf drei Jahre angelegt. Ai Weiweis sechsjähriger Sohn wohnt seit einem Jahr in Berlin. Der Künstler hatte vor wenigen Monaten per Fernregie die Produktion "Berlin, I love you!" mit seinem Sohn in der Hauptrolle realisiert.

In Berlin hatte der chinesische Aktionskünstler vor rund einem Jahr eine große und vielbeachtete Werkausstellung "Ai Weiwei - Evidence" im Martin-Gropius-Bau. Kunstinteressierte und Politiker in Berlin hatten damals auf einen persönlichen Besuch des Künstlers gehofft - diese Hoffnungen hatten sich aber nicht erfüllt. Auch konnte Ai Weiwei den Preis "Botschafter des Gewissens" der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im Mai nicht selbst entgegennehmen.

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