Zahl der Menschen in extremer Armut auf rund 800 Millionen gesunken

Notunterkunft am Stadtrand von Srinagar im indischen Teil von Kaschmir.

Foto: dpa/Farooq Khan

Notunterkunft am Stadtrand von Srinagar im indischen Teil von Kaschmir: "Die Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern hat zugenommen", sagt Richard Dictus.

Zahl der Menschen in extremer Armut auf rund 800 Millionen gesunken
Die Vereinten Nationen melden Fortschritte in der Bekämpfung von Elend und Not: Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, sank auf 836 Millionen weltweit.

1990 waren es noch 1,9 Milliarden Menschen, wie aus einem am Montag vorgelegten UN-Bericht hervorgeht. Auch die Zahl der Hungernden in Entwicklungsländern ging deutlich zurück: Während 1990 noch 23,3 Prozent der Bevölkerung unterernährt waren, sind es 2016 voraussichtlich 12,9 Prozent.

Die Entwicklung sei zwar positiv, aber "es gibt noch eine unvollendete Agenda", sagte der Exekutivkoordinator des UN-Freiwilligenprogramms, Richard Dictus, bei der Vorstellung des letzten Berichts zu den Millenniumsentwicklungszielen, die bis 2015 erreicht werden sollten. "Die Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern hat zugenommen", sagte er. Ähnliches gelte für das Armutsgefälle zwischen ländlichen und städtischen Regionen.

Ziel der Millenniumsentwicklungsziele war es, den Anteil der Menschen an der Weltbevölkerung, die in absoluter Armut leben, von 1990 bis 2015 zu halbieren. Der Anteil der Hungernden sollte in diesem Zeitraum auf die Hälfte sinken. Dictus nannte bewaffnete Konflikte "als größte Bedrohung der menschlichen Entwicklung". Jedes Bürgerkriegsjahr in Syrien oder im Irak werfe die Entwicklung der Länder um 20 Jahre zurück.

Nach UN-Angaben wurden seit dem Jahr 2000 auch Erfolge für Grundschulkinder erzielt: Heute gehen rund 91 Prozent der Kinder in die Schule, vor 15 Jahren waren es 83 Prozent. Zudem ging die Kindersterblichkeit deutlich zurück. 1990 starben 12,7 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag. 2015 werden es vermutlich sechs Millionen Kinder sein. Laut der Agenda sollte die Rate der Kindersterblichkeit um zwei Drittel sinken, was nicht erreicht wurde.

Große Probleme gibt es nach wie vor bei der Gleichstellung von Frauen und Männern. Zwar gehen deutlich mehr Mädchen zur Schule und auch mehr Frauen sind erwerbstätig, aber den UN zufolge werden sie noch immer diskriminiert, haben in vielen Regionen keinen Zugang zum Arbeitsmarkt oder zu Bildungsangeboten. Auch die Versorgung von Schwangeren und der Kampf gegen die Müttersterblichkeit kam nur schlecht voran.

Kritiker: "Immer noch 2,5 Milliarden Arme"

Der Entwicklungsexperte Jens Martens kritisierte die UN-Aussagen. "Nicht die Armut wurde halbiert, sondern die Zahl der Menschen, die von 1,25 Dollar pro Tag leben", sagte der Geschäftsführer der Organisation Global Policy Forum, die sich mit der Politik der Vereinten Nationen befasst. Weltweit seien immer noch über 2,5 Milliarden Menschen als arm einzustufen. Skeptisch sieht er auch die Aussage, dass mehr Kinder eine Grundschulbildung erhalten: Die Kinder würden zwar in die Schule geschickt, aber es gebe nicht genügend Lehrer. Man könne nicht garantieren, dass sie tatsächlich Lesen und Schreiben lernen.

Martens appellierte an die Bundesregierung, ihre finanziellen Beiträge für die Entwicklungshilfe aufzustocken und sich stärker im Kampf gegen Korruption und illegale Geldtransfers zu engagieren. Allein aus Afrika fließe jedes Jahr Kapital in Höhe von über 60 Milliarden Dollar ab, sagte der Entwicklungsexperte. "Wenn diese Geld in Afrika bleiben würde, hätte man mehr erreicht."

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