USA: Großfahndung nach Schüssen auf Betende

USA: Großfahndung nach Schüssen auf Betende
Nachdem ein Weißer in South Carolina neun Schwarze in einer Kirche beim Bibelstudium erschossen hat, sucht die Polizei nach einem etwa 20-jährigen Tatverdächtigen. Der Pastor einer nahegelegenen Kirche prangerte "Amerikas Liebesaffäre mit Schusswaffen" an.

Eine Bluttat mit neun Toten in einer Kirche in den USA sorgt für Entsetzen. Ein bewaffneter Mann erschoss am Mittwochabend (Ortszeit) in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina sechs Frauen und drei Männer. Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, eröffnete ein junger Weißer das Feuer auf eine Gruppe von Schwarzen, die sich in der Kirche zum Bibelstudium versammelt hatte. Die Polizei leitete eine Großfahndung nach dem Täter ein.

Nach Polizeiangaben starben acht Menschen in der Kirche, ein weiteres Opfer wenig später im Krankenhaus. Der Polizeichef von Charleston, Gregory Mullen, und Bürgermeister Joseph Riley, sprachen von einem "Hassverbrechen". Alle Opfer sind schwarz. Unter den Getöteten ist laut NBC News auch Clementa Pinckney, der Pastor der "Emanuel African Methodist Episcopal"-Kirche. Der Geistliche war auch Mitglied des Senats von South Carolina. Weitere Namen von Opfern waren zunächst nicht bekannt. Bürgermeister Riley sicherte den Familien Unterstützung und Hilfe zu.

Polizei bezeichnet Flüchtigen als extrem gefährlich

Polizeichef Mullen teilte laut Medienberichten am Donnerstag mit, der Täter sei etwa eine Stunde lang in dem Gotteshaus gewesen, vor er das Feuer eröffnet habe. Die Polizei veröffentlichte zwei Fahndungsfotos des Mannes, die Überwachungskameras aufgenommen hatten. Die Polizei rief die Anwohner zur Vorsicht auf, der Mann sei offensichtlich extrem gefährlich, hieß es.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush sagte eine für Donnerstag geplante Wahlveranstaltung in Charleston ab, wie die Lokalzeitung "Post and Courier" berichtete. Bush bete für die "von dieser Tragödie Betroffenen", teilte sein Wahlkampfstab mit. Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, forderte zum Gebet für die Opfer und deren Angehörige auf.

In der Stadt Charleston leben etwa 120.000 Menschen. Die Anfang des 19. Jahrhunderts gegründete "Emanuel African Methodist Episcopal" ist eine der ältesten schwarzen Kirchen im Süden der USA. Es gebe "keinen größeren Feigling" als einen "Kriminellen, der ein Gotteshaus betritt, und unschuldige Menschen beim Bibelstudium abschlachtet", sagte der Präsident des Bürgerrechtsverbandes NAACP, Cornell William Brooks.

Pastor John Hall Brown von der nahegelegenen Mount Zion A.M.E.-Kirche prangerte im Fernsehsender NBC "Amerikas Liebesaffäre mit Schusswaffen an". In den USA könnten auch Geisteskranke und Mitglieder von Hassorganisationen Schusswaffen bekommen. Für Kirchen sei es dennoch undenkbar, ihre Türen zu verschließen.

Immer wieder Amokläufe mit Schusswaffen

Der Täter sei auf der Flucht, hieß es am Donnerstag. Der Tatverdächtige sei Anfang 20, knapp 1,80 Meter groß und trage ein auffälliges T-Shirt, berichtete der US-Fernsehsender CNN auf seiner Homepage.

In den USA kommt es immer wieder zu Amokläufen mit Schusswaffeneinsatz.Im September 2013 erschoss ein Attentäter in der Hauptstadt Washington zwölf Menschen in einem Bürogebäude. Im Dezember 2012 erschoss ein 20-Jähriger 27 Kinder und Erwachsene in der Sandy Hook-Schule in Newtown in Connecticut. Im Juli 2012 kamen bei einem Amoklauf in einem Kino in Aurora in Colorado zwölf Menschen ums Leben. Im April 2007 erschoss ein Mann 27 Studenten und Mitarbeiter an einer Universität in Blacksburg in Virginia.

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