EKD: Offenheit für andere Religionen stärkt Identität

Besucher im Gebetssaal der Omar Moschee am Tag der Offenen Moschee in Berlin.

Foto: imago/IPON

Besucher im Gebetssaal der Omar Moschee am Tag der Offenen Moschee in Berlin.

EKD: Offenheit für andere Religionen stärkt Identität
Die EKD hat einen Grundlagentext zum Zusammenleben mit anderen Religionen veröffentlicht. Das christliche Bekenntnis sei kein "Herrschaftsanspruch in weltanschaulichen Fragen", betont die EKD in dem Papier.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wirbt dafür, religiöse Vielfalt positiv wahrzunehmen. Offenheit für andere Religionen sei kein Bekenntnis zur Beliebigkeit, sondern stärke die evangelische Identität, heißt es in dem Grundlagentext "Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt in evangelischer Perspektive", der am Freitag in Berlin veröffentlicht wurde. Darin wird einer neutralen Position über allen Religionen, einer "Vogelperspektive über allen Standpunkten", allerdings eine Absage erteilt.

"Unterschiede zwischen den Religionen werden nicht kleingeredet", schreibt der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm im Vorwort. Christlicher Glaube respektiere die Fremdheit des anderen und sei sich zugleich der eigenen Besonderheit bewusst. "Er kann auf das Bekenntnis zu Christus nicht verzichten, aber es wäre falsch, daraus eine prinzipielle Abwertung anderer Religionen abzuleiten", argumentiert der bayerische Landesbischof.

Mit der Schrift, die in der Kammer für Theologie entstand, will die evangelische Kirche zu den Herausforderungen und Chancen des religiösen Pluralismus Position beziehen. Dazu gehören neben grundsätzlichen theologischen Erwägungen Hinweise zum Umgang mit Religionsverschiedenheit in Ehe und Familie, zur Möglichkeit gemeinsamen Betens, zum Missionsauftrag sowie zur Arbeit in der Diakonie.

Für die Begegnung mit anderen Religionen empfiehlt die EKD innerkirchliche Verfahrensregeln statt Verbote und Grenzen, um mit Spannungen umzugehen. Evangelische Freiheit setze dabei auf die Vernunft der Gemeinden und Gläubigen. Auch von den Dialogpartnern sei zu erwarten, dass sie die Freiheit des anderen anerkennen. "Ein aufgeklärter Protestantismus versteht das christliche Bekenntnis nicht als Herrschaftsanspruch in weltanschaulichen Fragen, sondern erkennt in jeder Verabsolutierung religiöser Formeln eine Verzerrung und Entstellung der Wahrheit, die frei macht", schreiben die Autoren.

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