Ein Nachfolger für Luthers kleinen Katechismus

Foto: Getty Images/Hemera/Tomasz Caderek
Ein Nachfolger für Luthers kleinen Katechismus
Jungen Leuten die Inhalte des christlichen Glaubens nahe bringen - das funktioniert im Web-Zeitalter anders als während der Reformation. Das Projekt "Yoube" versucht es in 27 Kapiteln. Sein Internetauftritt wurde per Crowdfunding finanziert.

Lange ist's her, dass in der evangelischen Kirche ein wirkungsvoller Katechismus speziell für junge Menschen entwickelt wurde. Noch heute nehmen Konfirmanden den "kleinen Katechismus" des Reformators Martin Luther in die Hand und buchstabieren anhand der fast 500 Jahre alten Leitsätze, was christlicher Glaube bedeutet. Das Projekt "Yoube" soll nun die klaffende Lücke füllen. An Pfingsten wird der neue Jugendkatechismus in Aidlingen bei Böblingen 10.000 jungen Leuten vorgestellt.

Das 160-seitige "Lehrbuch" widmet sich den Themen Orientierung, Dogmatik und Ethik. Dabei setzt es nicht nur auf das Wort, sondern auch auf eine starke Bebilderung mit Karikaturen und Kollagen. Initiator ist der promovierte Philosoph, gelernte Journalist und Verlagsleiter des Basler fontis-Verlags, Dominik Klenk.

Ihm zur Seite stehen der bayerische Lutheraner und Ethikprofessor Bernd Wannenwetsch (Aberdeen/Schottland) und Roland Werner, scheidender Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbands in Deutschland, der einen Doktortitel in Theologie und einen in Afrikanistik hält. Alle drei gehören dem theologisch konservativen Spektrum innerhalb der evangelischen Kirche an. Sie haben eine kleine Gruppe von Theologen aus der Jugendarbeit um sich geschart, um das Buch für junge Leute möglichst wirkungsvoll zu gestalten.

Bei Pfarrern "deutliches Interesse"

"Yoube"-Erfinder Klenk berichtet von einer Zusammenkunft mit 200 Pfarrern, die er fragte, mit welchen Katechismen sie arbeiteten. Die Reaktion: Ein einziger verwendete Luthers kleinen Katechismus; ein weiterer bekannte sich zur Arbeit mit dem reformierten Heidelberger Katechismus aus dem Jahr 1563. Für Klenk ein klares Zeichen, dass keiner der Versuche aus den vergangenen Jahrzehnten, etwas Jugendgemäßes zu entwickeln, eine nennenswerte Durchschlagskraft erreicht habe.

Die größere Wirkung erhofft sich Klenk nun auch vom Internet. Eine Online-Plattform für das Projekt wird derzeit fertiggestellt, sie soll an Pfingsten ans Netz gehen. Finanziert wird sie per "Crowdfunding" - also durch einen Aufruf im Internet, dem 246 Menschen mit einer Gesamtsumme von 25.000 Euro gefolgt sind. Der Auftritt soll es beispielsweise ermöglichen, Entwürfe für Unterrichtsstunden herunterzuladen und über die einzelnen Glaubensartikel zu diskutieren.



Dass es sich bei diesem Jugendkatechismus um eine unabhängige Initiative und keinen offiziellen Auftrag einer evangelischen Kirche handelt, erklärt Klenk mit der komplizierten Struktur des Protestantismus. Es sei sehr zeitraubend, zu einer Textfassung zu kommen, die beispielsweise von den Synoden aller 20 Landeskirchen abgesegnet würde. Doch habe er bereits von Bischöfen, Kirchenleitungen und Pfarrern "deutliches Interesse" signalisiert bekommen. Das stimme ihn hoffnungsvoll, dass die Texte mit Konfirmanden, im Religionsunterricht und in kirchlichen Jugendgruppen gelesen und diskutiert werden.

Die Zeiten für einen neuen Jugendkatechismus könnten ideal sein. Zumindest hat das die katholische Kirche mit dem Projekt "Youcat" erlebt, das 2011 veröffentlicht wurde und bereits in 30 Sprachen vorliegt. Doch während sich "Youcat" eng an den offiziellen Katechismus der katholischen Kirche anlehnt, wählt "Yoube" eine freie Form, um die Grundlagen des evangelischen Glaubens zusammenzufassen.