Bundesregierung will Lehren aus Ebola ziehen

Behandlungszentrum für Ebola-Patienten in Gueckedou, Guinea.

Foto: dpa/Kristin Palitza

Behandlungszentrum für Ebola-Patienten in Gueckedou, Guinea.

Bundesregierung will Lehren aus Ebola ziehen
Seit Oktober tagte der Ebola-Krisenstab der Bundesregierung wöchentlich, um die Hilfen für die Seuchen-Region in Westafrika zu koordinieren. Mitte Mai wird die Arbeit des Krisenstabs nun eingestellt. Man könne zwar keine Entwarnung für Liberia, Guinea oder Sierra Leone geben, aber der Kampf gegen Ebola habe sich stark verändert, sagte der Ebola-Sonderbeauftragte, Walter Lindner am Dienstag in Berlin.

Zu Beginn des Ausbruchs der Epidemie sei es vor allem um die Bereitstellung von Betten und die medizinische Erstversorgung der Infizierten gegangen. Jetzt müsse man sich vor allem um die Überlebenden kümmern und für Aufklärung sorgen, damit die Infektionswege abgeschnitten würden, erläuterte Lindner. "Dafür braucht man keine 'Task Force Ebola' mehr", sagte der Diplomat.

Eine neue Abteilung im Auswärtigen Amt, die sich hauptsächlich um Krisen kümmert, wird einige Aufgaben des Krisenstabs übernehmen. Jetzt müsse man von der Nothilfe zur Entwicklungshilfe übergehen, so Lindner. Zu den größten Problemen zählt er die Aufklärung über den Umgang mit Überlebenden. Viele würden ausgegrenzt und stigmatisiert. Vor allem Kinder litten darunter.

Zahlreiche Hilfsorganisationen darunter "Save the children" oder auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef haben nach Angaben Lindners Projekte für Ebola-Waisen gestartet. Es werde einige Zeit dauern, bis Aufklärungskampagnen anschlügen, sagte der Ebola-Beauftragte.

Lindner übernahm die Aufgabe des Ebola-Sonderbeauftragten im Oktober. Damals habe man eine Apokalypse vor Augen gehabt und mit bis zu einer Million Infizierten bis Ende 2014 gerechnet, sagte der Diplomat, der insgesamt sieben Mal in das Ebola-Gebiet in Westafrika reiste.



"Wären wir früher dran gewesen, hätten wir Menschenleben retten können", sagte er mit Blick auf den Vorwurf, die internationale Gemeinschaft habe deutlich zu langsam reagiert. Jetzt gehe es darum, die Lehren aus der Epidemie zu ziehen und dafür zu sorgen, bei der nächsten Krise schneller zu reagieren.

Die Bundesregierung hat 195 Millionen Euro an Soforthilfe für alle drei Länder bereitgestellt. Nach den USA und Großbritannien zählt Deutschland zu den größten Gebern. Gemeinsam mit Norwegen und Ghana hat die Bundesregierung bei den UN eine Initiative angestoßen, um künftig besser auf Epidemien reagieren zu können. "Keiner hatte Erfahrung mit Ebola außer 'Ärzte ohne Grenzen', sagte Lindner. Man müsse künftig Experten schneller zusammenbringen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bislang mehr als 26.300 Ebola-Fälle registriert, 10.900 Menschen starben an der Krankheit. In den vergangenen Wochen wurden pro Woche noch rund 30 Neuinfektionen aus Guinea und Sierra Leone gemeldet.

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