Filmkritik: "Die Gärtnerin von Versailles"

Der Film "Die Gaertnerin von Versailles" kommt am Donnerstag in die Kinos

Foto: epd/Alex Bailey / Tobis Film

Filmkritik: "Die Gärtnerin von Versailles"
Blumenkübel im Vintage-Look: Recht streng droht er zu werden, der barocke Park des Sonnenkönigs. Gut, dass da eine Frau Hand anlegt. Kate Winslet ist in Alan Rickmans Spielfilm "Die Gärtnerin von Versailles" eine ziemlich moderne Figur - in einem eher konservativen Kostümdrama.

Vom Fenster aus lässt sich beobachten, wie eine nicht mehr ganz junge Frau mit einem auffälligen Federhut sich anschickt, die symmetrische Ordnung der Pflanzenkübel vor dem Eingang zu verändern. Wie sich gleich zeigen wird, ist sie zum Vorstellungsgespräch bei André Le Nôtre, dem berühmten Gartenarchitekten des Sonnenkönigs, geladen. Eine Frau für diese Position - eine Ungeheuerlichkeit, finden die Mitbewerber. Der erste Auftritt läuft denn auch schief. Dann beginnt "A Little Chaos", wie Alan Rickmans "Die Gärtnerin von Versailles" im Originaltitel heißt.

Eine solche Gärtnerin war am Hof von Ludwig XIV. natürlich nicht tätig, aber die kleinen Boskette - Kleinode der Gartenkunst, Störenfriede in der strengen barocken Gartenordnung - die hat es sehr wohl gegeben. Das bis heute einzig erhalten gebliebene Exemplar, der "Ballsaal", eine Tanzinsel unter freiem Himmel, ist (wenn auch nachgebaut) Hauptschauplatz dieses Films. Er soll das Produkt einer Frauenfantasie gewesen sein. Warum nicht?

Der aristokratische Kostümfilm ist ein Dauerbrenner der Filmgeschichte, und vielleicht war doch Erich von Stroheim mit seinem Ausstattungswahn und seiner Verschwendungssucht der Einzige, der sich dessen Herausforderungen gewachsen zeigte. Es ist jedenfalls keine gute Idee, dass sich Alan Rickman, Regisseur und Hauptdarsteller, gleich in der ersten Einstellung als - dazu noch allzu britischer - Sonnenkönig präsentiert, nur um die Erzählchronologie sicherzustellen. Hier geht es nämlich vorrangig um die Gartenkunst, die mit den Schöpfungen Le Nôtres eine europaweite, stilbildende Wende nahm. 

Die zupackende Gärtnerin Sabine De Barra, ein wahrer Störenfried, ist indes eine feministische Wunschfigur des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts, die als solche auch die wählerische Kate Winslet begeistern konnte. Die gibt - wie gewohnt - eine gestandene Frau, die, ohne mit der Wimper zu zucken, durchs Versailles?sche Sumpfgeländes stapft. Das Naturkind imponiert nicht nur dem Stararchitekten durch seine direkte Art; die Frau wirbelt auch die Hofetikette durcheinander, die Ludwig XIV. beeindruckt über Bord wirft. 

"Es war einmal"

Der Film "Die Gärtnerin von Versailles" zieht sozusagen alle melodramatischen Register, ohne dass man das alles so ernst nehmen muss. Es ist eine Spielerei, trotz der melancholischen Grundstimmung ein Filmspaß, der seine Geschlechtergeplänkel standesgemäß auszuspielen versucht. Für Regisseur Rickman war es nicht mehr und nicht weniger als "das einfache, uralte 'Es war einmal'" - aber gerade das sollte es ja nicht sein.

Dank der unermüdlichen Kate Winslet und des zurückhaltenden Matthias Schoenaerts als Le Nôtre ist doch etwas mehr dabei herausgekommen. Über den Look des Films - nicht der von Ludwig XIV. versprochene Garten Eden auf Erden, sondern ein anbiedernder Vintage-Stil, wie ihn heute jede Modezeitschrift und jede Balkonfee zu pflegen versucht - muss man kein Wort verlieren.

Großbritannien 2014. Regie: Alan Rickman. Buch: Jeremy Brock, Alison Deegan, Alan Rickman. Mit: Kate Winslet, Jennifer Ehle, Stanley Tucci, Alan Rickman. Länge: 116 Minuten. FSK: ab 6 Jahre.