Nur jedes dritte Land erreicht weltweite Bildungsziele

Nur jedes dritte Land erreicht weltweite Bildungsziele
Um die Bildungschancen für benachteiligte Menschen vor allem in armen Ländern ist es noch immer schlecht bestellt. Weltweit habe nur jedes dritte Land die von der Staatengemeinschaft im Jahr 2000 beschlossenen Bildungsziele erreicht, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Weltbildungsbericht der UN-Kulturorganisation Unesco.

Lediglich in jedem zweiten Land (52 Prozent) erhalten demnach alle Jungen und Mädchen eine Grundschulbildung. Auch die Analphabetenrate unter Erwachsenen ist trotz Fortschritten weiter hoch. Nötig sei vor allem mehr Geld, um die Bildungschancen benachteiligter Gruppen zu verbessern, hieß es.

Seit dem Start des weltweiten UN-Aktionsprogramms "Bildung für alle" im Jahr 2000 seien zwar große Fortschritte gemacht worden, bilanzierte Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova. Millionen mehr Kinder besuchten eine Schule, als dies ohne diese Initiative der Fall gewesen wäre. "Doch sind wir weit davon entfernt, unsere Ziele erfüllt zu haben", räumte Bokova ein. "Die Weltgemeinschaft braucht spezifische, mit ausreichenden finanziellen Mitteln vorangebrachte Strategien, welche den Schwerpunkt auf die Ärmsten - insbesondere Mädchen - legen, die Bildungsqualität verbessern und die Analphabetenrate reduzieren."

Die Unesco forderte die internationale Gemeinschaft auf, zusätzlich 22 Milliarden Dollar (20,5 Milliarden Euro) pro Jahr aufzubringen, um frühkindliche Bildung und Grundbildung für alle Menschen weltweit sicherzustellen. Viele Staaten hätten ihre Bildungsausgaben seit 2000 bereits erhöht. Ziel müsse sein, zwischen 15 und 20 Prozent der Ausgaben in Bildung zu stecken. Dabei müsse der Schwerpunkt auf benachteiligten Gruppen liegen.

Fast zwei Drittel der Analphabeten sind Frauen

Nach dem Bericht schließen noch immer 100 Millionen Kinder weltweit die Grundschule nicht ab. Die Wahrscheinlichkeit, ohne Grundschulbildung zu bleiben, ist global gesehen unter den Ärmsten fünfmal höher als unter den Reichsten. Ein Drittel aller Kinder, die nicht zur Schule gehen, leben in konfliktreichen Regionen. Weltweit werden vier Millionen zusätzliche Lehrer benötigt, um alle Kinder zu unterrichten.

Nur einem Viertel der Länder gelang es nach den Unesco-Angaben, die Analphabetenrate unter Erwachsenen in den letzten 15 Jahren zu halbieren. Insgesamt sank die Rate aber um 23 Prozent - hauptsächlich weil besser gebildete junge Leute das Erwachsenenalter erreichten. Fast zwei Drittel der Analphabeten sind Frauen. So kann in Afrika südlich der Sahara jede zweite Frau nicht lesen und schreiben.

Im Aktionsprogramm "Bildung für alle" waren im Jahr 2000 sechs Ziele formuliert worden, die von der Staatengemeinschaft bis 2015 erfüllt werden sollten: Ausbau frühkindlicher Bildung, Grundschulbildung für alle Kinder, Absicherung der Lernbedürfnisse Jugendlicher, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität. Das Bundesentwicklungsministerium und die Deutsche Unesco-Kommission diskutieren den Weltbildungsbericht 2015 am 21. April mit deutschen Entwicklungsexperten. Der Report wird seit 2002 jährlich verfasst.

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