Afrikanische Traumatherapeutin mit Bremer Menschenrechtspreis geehrt

Afrikanische Traumatherapeutin mit Bremer Menschenrechtspreis geehrt
Die Traumatherapeutin Esther Mujawayo-Keiner (56) aus Ruanda hat am Dienstagabend den 14. Bremer Solidaritätspreis bekommen.

Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihr für ihre Arbeit mit Opfern des Völkermords in Ruanda und mit traumatisierten Flüchtlingen aus aller Welt verliehen. "Statt Rache zu üben oder verhärtet zu sein, hat Esther entschieden, sich für vergewaltigte und HIV-positive Frauen einzusetzen", sagte die Frauenrechtlerin Monika Hauser in ihrer Laudatio.

Mujawayo-Keiner ist Mitbegründerin der Organisation "Avega", der Vereinigung der Witwen des Völkermordes von 1994, die sich unter anderem um die gesundheitliche Versorgung und Rehabilitation der Witwen des ruandischen Genozids kümmert. In Düsseldorf arbeitet sie am Psychosozialen Zentrum für Flüchtlinge. 1994 hatten radikale Hutu-Milizen innerhalb von 100 Tagen bis zu eine Million Tutsi und moderate Hutu brutal ermordet. Nach UN-Angaben wurden während des Völkermordes bis zu einer halben Million Frauen vergewaltigt.

Mujawayo-Keiner habe die Kraft gehabt, über traumatisierende Erlebnisse zu reden, und daraus menschliche Solidarität entwickelt, betonte Hauser, die die Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale gegründet hat. Während des Genozids hat Mujawayo-Keiner selbst Unfassbares erlebt: Ihr Ehemann, ihre Eltern und ihre Geschwister wurden getötet. Mit Blick unter anderem auf "Avega" sagte sie nun in Bremen: "Aus der stinkenden Vergangenheit züchten wir die schönsten Kürbisse." Bremens Senatspräsident Jens Böhrnsen (SPD) bezeichnete sie als "Stellvertreterin für Hoffnung und die Kraft des Lebens".

Hauser mahnte, der Genozid wirke fort und werde an die nächste Generation weitergegeben. Viele Überlebende litten noch immer unter psychosomatischen Störungen oder langjährigen Depressionen. Frauen mit Kindern, die durch eine Vergewaltigung gezeugt worden seien, würden ausgegrenzt. Als "Feindes"-Kinder würden sie in Schulen und Gemeinden benachteiligt. Ehemänner hätten ihre vergewaltigten Frauen verstoßen, und diese hätten kaum Chancen auf eine neue Ehe. Trotzdem tue sich die internationale und auch die deutsche Politik nach wie vor schwer, offen über Vergewaltigungen als Kriegswaffe zu sprechen.

Die Therapeutin, Soziologin und Autorin Mujawayo-Keiner engagiert sich in verschiedenen ruandischen Frauenorganisationen. Sie war von 1990 bis 1996 stellvertretende Landesrepräsentantin der Hilfsorganisation Oxfam für Ruanda, Burundi und den Ostkongo.

Der Bremer Solidaritätspreis wird alle zwei Jahre verliehen. Er soll Personen und Initiativen ermutigen, die sich für Menschenrechte und Demokratie sowie gegen im Kampf gegen die Folgen von Kolonialismus und Rassismus engagieren. 2013 ging die Auszeichnung an die Menschenrechtsaktivistin Aminatou Haidar, die auch als "Gandhi der Westsahara" bezeichnet wird. Erste Preisträger waren 1988 Nelson und Winnie Mandela aus Südafrika.