In Bielefeld macht man längst gute Miene zum bösen Spiel. Was bleibt einem auch anders übrig, wenn der eigene Wohnort Gegenstand einer Verschwörung ist, deren Anhänger steif und fest behaupten: Die ostwestfälische Stadt existiert überhaupt nicht. Im Internet treibt die Theorie seit über zwanzig Jahren immer kuriosere Blüten; nun ist sie Motor eines originellen Krimis. Die Reihe "Wilsberg" ist nicht ganz so alt, aber Bielefeld gehört zum festen Repertoire: Die Heimatstadt von "Wilsberg"-Redakteur Martin R. Neumann Stadt taucht in jedem Film auf; und sei es als Ortsschild. Durch die Wiederholung wird dieser Film etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn es gab eine Vorgeschichte.
Bielefeld ist eine Fälschung
In dem Fall zuvor ("Aus Mangel an Beweisen") spielte die Verschwörungstheorie ebenfalls eine Rolle. Der schon damals etwas verwirrt wirkende Nils Erdel (Daniel Roesner), der auch an Ufos glaubte, bittet Wilsberg (Leonard Lansink) diesmal um Hilfe: Er hat gemeinsam mit anderen Beweise dafür gesammelt, dass Bielefeld eine Fälschung ist, und fürchtet um sein Leben. Wilsberg wimmelt ihn ab, aber als der junge Mann angeblich einen tödlichen Herzinfarkt erleidet, fühlt er sich verpflichtet, der Sache nachzugehen; und das ist bloß der Auftakt zu einer Geschichte, die bei aller Zitierfreude und diversen parodistischen Ansätzen trotzdem ein Krimi bleibt, in dem es letztlich um handfeste wirtschaftliche Interessen geht (Buch: Timo Berndt, Kamera und Regie: Hans-Günther Bücking).
Zur großen Freude der "Wilsberg"-Fans gibt es zudem ein Wiedersehen mit Manni Hoech (Heinrich Schafmeister). Der alte Freund des Privatdetektivs hat Münster vor sieben Jahren verlassen (übrigens Richtung Bielefeld) und bringt die Sache sogar erst ins Rollen: Er überrascht in seinem Büro im Bauamt einen Einbrecher. Der Mann hat sich auf einem Zettel den Namen Nils Erdel und dessen Adresse notiert. Als Manni der Sache in Münster nachgehen will, kommt es zu einigen amüsanten Szenen zwischen ihm und Ekki (Oliver Korittke), seinem Nachfolger als Wilsbergs Autoverleiher: Ekki reagiert eifersüchtig wie eine neue Freundin auf ihre Vorgängerin und hält Manni gar für den Drahtzieher jener Bewegung, die Nils und seine Freunde zum Schweigen bringen will.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Der Film ist ein Fest für Verschwörungsfreunde; natürlich darf auch das "Akte X"-Zitat nicht fehlen ("Die Wahrheit ist irgendwo da draußen"). Immer wieder unterfüttert das Drehbuch die Theorien mit liebevoll ersonnenen Details. Als Ekki den Spuk beenden und mit dem Auto nach Bielefeld fahren will, endet er trotz Navigationsgerät irgendwo im Nirgendwo.
Eine wunderbare Krimikomödie, an deren Vergnüglichkeit Kommissar Overbeck (Roland Jankovsky), der verhinderte Geheimagent, dank einer unfreiwilligen Bekanntschaft mit Halluzinogenen großen Anteil hat.


