Badischer Landesbischof: Mit Kirchenasyl wird Unrecht verhindert

Foto: epd/Gustavo Alabiso
Jochen Cornelius-Bundschuh
Badischer Landesbischof: Mit Kirchenasyl wird Unrecht verhindert
Der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh hat die Praxis des Kirchenasyls verteidigt.

Die Kirchen setzten sich damit nicht über Gesetze hinweg, sagte Cornelius-Bundschuh dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Kirchenasyl sei eine Form des gewaltfreien Eintretens für Menschen in einer besonderen Notlage. Damit widersprach der evangelische Theologe Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der hatte den Kirchen vorgeworfen, sich eigenmächtig über bestehende Gesetze hinwegzusetzen.

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Cornelius-Bundschuh betonte, mit dem Kirchenasyl wollten die Gemeinden verhindern, dass Flüchtlinge in eine menschenunwürdige Situation kommen. "Sie wollen Unrecht verhindern und einen begrenzten Zeitraum schaffen, in dem noch einmal nachgedacht und verhandelt werden kann." Es gehe darum, in seltenen und zeitlich befristeten Fällen den Rechtsfrieden zu erhalten.

Bundesinnenminister de Maizière hatte sich laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" ungewohnt deutlich gegen die seit langem geduldete Praxis des Kirchenasyls gewandt. Er habe als Christ zwar Verständnis, dass die Kirchen "in Einzelfällen" unter dem Gesichtspunkt des Erbarmens Flüchtlinge aufnehmen. Doch es gehe nicht, dass sie sich eigenmächtig über bestehende Gesetze hinwegsetzen.

Die Äußerungen von de Maizière stießen bei Kirchenvertretern und Politikern teils auf scharfe Kritik. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte, dass die Worte des Ministers "in ungewöhnlicher und überflüssiger Weise das gute Verhältnis zwischen Kirche und Staat" belasteten. "Pauschale Kritik am Kirchenasyl halte ich für unangemessen", sagte SPD-Vorstandsmitglied Kerstin Griese.