Spenden im Advent - für mehr Vitamine

"Satt ist nicht genug": Spendenaktion von "Brot für die Welt"

Foto: Getty Images/iStockphoto/David Dea

"Satt ist nicht genug" ist das Motto der diesjährigen Spendenaktion von "Brot für die Welt"

Deutschland spricht 2019
Spenden im Advent - für mehr Vitamine
Menschen brauchen nicht nur die richtige Menge, sondern auch die nötige Vielfalt an Nahrung. Darauf weist das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" zu Beginn der Advents-Spendensammlung hin. Das katholische Hilfswerk "Adveniat" sammelt für junge Menschen in Lateinamerika.

Zu wenig Vitamine, Eiweiße und Mineralien: Dem evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt" zufolge ist der Kampf gegen Fehlernährung eines der zentralen Themen der Entwicklungshilfe. Mangelernährung ist daher der Schwerpunkt der 56. Spendenaktion des Hilfswerks. Traditionell ist die Weihnachtskollekte in evangelischen Gemeinden für "Brot für die Welt" bestimmt.   Unter dem Motto "Satt ist nicht genug" startete die Aktion am ersten Advent (30. November) mit einem zentralen Festgottesdienst in Wien.

"Das Menschenrecht auf Nahrung ist erst dann umgesetzt, wenn Menschen nicht nur die richtige Menge, sondern auch die richtige Vielfalt an Nahrung zu sich nehmen", sagte die Präsidentin von "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel. Niemand könne sich aus der Armut befreien, wenn er nicht den richtigen "Treibstoff" für Hirn und Körper habe. Eine bessere Ernährung sei auch eine Maßnahme zur Katastrophenvorsorge. Vor allem Kinder könnten einen Mangel an Nährstoffen in der frühen Entwicklungsphase zwischen der Geburt und dem zweiten Geburtstag "nie mehr wettmachen".

Die UN-Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation (FAO) geht von rund zwei Milliarden Menschen aus, die mangelernährt sind. Darunter sind mehr als 800 Millionen Hungernde. Fehlende Vitamine, Eiweiße und Mineralien führen zu Wachstumsstörungen, Hirnschäden oder Blutarmut. "Mangelernährte Frauen, Kinder und Männer werden schneller Opfer von Krankheiten", sagte Füllkrug-Weitzel. Sie plädierte vor allem für mehr Hilfen für kleinbäuerliche Landwirtschaftsbetriebe. So könne die Vielfalt an Obst-, Gemüse- und Getreidesorten vor Ort am besten gewährleistet werden.

Auch geistigen Hunger stillen

An der Kampagne beteiligt sich seit fünf Jahren auch die Evangelische Kirche Österreichs, der Auftakt wurde dieses Jahr zum ersten Mal in Österreich gefeiert. Der österreichische Bischof Michael Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen ist, sprach sich in seiner Predigt ebenfalls für die Stärkung von kleinbäuerlichen Betrieben aus. Das Recht auf gesunde, vielfältige und bezahlbare Nahrung sei ein Menschenrecht, erklärte er. Jeder Einzelne sei aufgerufen, über eine Änderung der eigenen Essgewohnheiten und eine bessere Ernährung nachzudenken.

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer sagte in seinem Grußwort, neben dem körperlichen müsse auch der geistige Hunger gestillt werden, und es gehe auch um Menschenwürde und Chancengerechtigkeit. Um notleidenden Menschen zu helfen, müssten Politik, Zivilgesellschaft, Kirchen und Religonsgemeinschaften zusammenwirken, erklärte Fischer in einem Grußwort.

Das Hilfswerk "Brot für die Welt" wird getragen von evangelischen Landes- und Freikirchen und ist im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung in Berlin angesiedelt. Seit 1959 bittet die Aktion in jedem Jahr zu Beginn der Adventszeit um Spenden für Hilfsprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

"Adveniat" sammelt für Jugendliche

Die katholische Kirche stellt junge Menschen in Lateinamerika in den Mittelpunkt ihrer diesjährigen Spendenkampagne unter dem Motto "Ich will Zukunft". Das bischöfliche Hilfswerk "Adveniat" setzt sich mit der Aktion dafür ein, "dass junge Menschen die Chance auf eine lebenswerte Zukunft haben", wie Hauptgeschäftsführer Bernd Klaschka mitteilte. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung Lateinamerikas sei jünger als 20 Jahre.

Die jungen Menschen suchten eine Chance auf Bildung, einen Arbeitsplatz und ein selbstbestimmtes Leben. "Doch leider sind viele von ihnen von Anfang an chancenlos", sagte Prälat Klaschka. Schuld daran seien Armut und mangelnde Bildungsangebote. Häufig würden Jugendliche auch Opfer von Gewalt und Drogenkriminalität. Adveniat fördere neben der beruflichen Aus- und Weiterbildung auch Projekte zur Persönlichkeitsentwicklung: "Wir möchten junge Menschen stark machen."

"Heranwachsende und Jugendliche bilden die große Mehrheit der Bevölkerung in Lateinamerika und der Karibik", sagte der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa beim Eröffnungsgottesdienst. "Die Kirche begleitet und stärkt sie." Junge Menschen sollten so die Möglichkeit erhalten, eigenverantwortlich das Leben zu entdecken und lernen, es zu gestalten, erklärte Zdarsa.

Weihbischof Gregorio Rosa Chávez aus El Salvador wies in seinem Grußwort auf die "alltägliche und allgegenwärtige Gewalt" in Lateinamerika hin. "Vor allem Jugendliche werden Opfer dieser Gewalt. Sie werden bereits als Kinder von Kriminellen als Handlanger missbraucht. Und die Mehrheit derer, die Gewalt ausüben, sind ebenfalls Jugendliche", sagte Chávez. Alleine in El Salvador seien rund 60.000 Jugendliche Mitglieder von Jugendbanden: "Das sind mehr als es Polizeibeamte gibt." Jeder fünfte Jugendliche gehe weder zur Schule noch arbeite er, betonte der Weihbischof.

Die Spendenaktion der katholischen Kirche wurde mit einem Gottesdienst im Augsburger Dom eröffnet. Im vergangenen Jahr förderte Adveniat nach eigenen Angaben rund 2.700 Projekte mit mehr als 35 Millionen Euro.

  • 2,5 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an den Folgen von Mangelernährung
     
  • 80 Prozent der extrem Armen, die weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, leben in ländlichen Gebieten. 50 Prozent der Hungernden gehören Kleinbauernfamilien an,  22 Prozent sind Landarbeiter oder Landlose
     
  • 70 Prozent der Hungernden sind Frauen und Mädchen
     
  • 2 Milliarden Menschen fehlt mindestens ein Nährstoff für ein gesundes Leben
     
  • 26 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren sind im Wachstum zurückgeblieben
     
  • 1,4 Milliarden Menschen sind übergewichtig, davon leiden 500 Millionen an Fettleibigkeit
     
  • Bis 2050 wird die Zahl der Armen in den Städten zunehmen, es werden jedoch immer noch mehr als 50 Prozent in ländlichen Gebieten leben