Behinderte Menschen bei Jobsuche weiter im Nachteil

Weniger Arbeitgeber, sind bereit, Menschen mit einer Behinderung einzustellen.
Foto: Getty Images/iStockphoto/theeraphon
Weniger Arbeitgeber, sind bereit, Menschen mit einer Behinderung einzustellen.
Behinderte Menschen bei Jobsuche weiter im Nachteil
Laut dem sogenannten Inklusionsbarometer bleiben weiterhin rund 60 Prozent der Arbeitgeber in Deutschland unter der geforderten Einstellungsquote für Menschen mit Behinderung von fünf Prozent zurück.

Menschen mit Behinderung haben es einer Untersuchung zufolge bei der Arbeitssuche weiterhin schwerer als Personen ohne Handicap. Zu diesem Ergebnis kommt das "Inklusionsbarometer Arbeit", das die "Aktion Mensch" und das Handelsblatt Research Institute (HRI) am Donnerstag in Düsseldorf vorlegten. Danach ist die Zahl der Arbeitssuchenden mit Schwerbehindertenausweis innerhalb eines Jahres um etwa 3.000 auf 179.000 gestiegen.

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Die Arbeitslosenquote Schwerbehinderter liegt mit 14 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die allgemeine Quote. Die Bereitschaft der Arbeitgeber, Menschen mit einer Behinderung einzustellen, habe sich gegenüber dem Vorjahr "etwas abgekühlt", hieß es.

Der Präsident des HRI und ehemalige "Wirtschaftsweise" Bert Rürup mahnte bei der Vorstellung der Ergebnisse, mit Blick auf die immer älter werdende Bevölkerung sei das Thema Inklusion eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Gesellschaft könne es sich nicht länger erlauben, das Potenzial von Menschen mit Behinderungen zu vernachlässigen. Dennoch hielten sich viele Firmen mit ihrer Bereitschaft zur Inklusion deutlich zurück.

Laut Inklusionsbarometer bleiben rund 60 Prozent der Arbeitgeber in Deutschland unter der geforderten Einstellungsquote für Menschen mit Behinderung von fünf Prozent. Diese Regelung gilt für Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten. Wer die Quote nicht erreicht, muss eine gesetzliche Ausgleichsabgabe zahlen. Zudem wusste etwa jeder vierte der befragten Firmenchefs nichts von der Möglichkeit einer staatlichen Eingliederungshilfe.

Ein positives Ergebnis des Inklusionsbarometers ist immerhin, dass mehr als drei Viertel der Unternehmer keine Leistungsunterschiede von Beschäftigten mit oder ohne Behinderung feststellten. Bei vielen Firmen fehle aber noch der "Blick auf die Fähigkeiten" der Menschen mit Behinderung, sagte der Vorstand der "Aktion Mensch", Armin von Buttlar. Hier müsse mehr für das Thema "sensibilisiert" und Bedenken bei den Arbeitgebern ausgeräumt werden.

Für das Inklusionsbarometer hatte das HRI mehr als 400 mittelständische Unternehmen und über 800 Arbeitnehmer mit Behinderung befragt.