Nie wieder tut Liebe so weh wie in der Jugend. In ihrem romantischen Drama "Eine Jugendliebe" erzählt die Französin Mia Hansen-Løve die Geschichte von Camille, die den vier Jahre älteren Sullivan derart bedingungslos liebt, dass ihm Angst und Bange wird. Das Mädchen ist erst 15, aber überzeugt, dass ihre Liebe ewiglich währt. Und das ist keineswegs bloß pubertäre Schwärmerei: Als Sullivan (Sebastian Urzendowsky) für ein knappes Jahr nach Südamerika reist, versucht Camille, sich das Leben zu nehmen.
Schwierige Gratwanderung
Der Rahmen der Geschichte erstreckt sich über acht Jahre, die Suche nach einer geeigneten Hauptdarstellerin war also eine entsprechend große Herausforderung. Gefunden hat Hansen-Løve schließlich Lola Créton, die trotz ihres Alters von knapp dreißig Jahren glaubwürdig sowohl einen Teenager wie auch eine Frau von Mitte zwanzig verkörpert. Ihre schauspielerische Leistung ist ohnehin mehr als bemerkenswert. Der durch "Blaubart" bekannt gewordenen Französin gelingt eine schwierige Gratwanderung: Einerseits muss man nachvollziehen können, dass sich Sullivan durch Camilles Liebe erdrückt wird; andererseits darf sie nicht besessen wirken.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Gemessen an Cretóns Ausstrahlung agiert Urzendowsky eher unscheinbar. Dass die junge Frau ihr Schicksal bis zur Selbstaufgabe auch Jahre später noch mit der flatterhaften Zuneigung Sullivans verknüpft, als sie längst mit dem doppelt so alten Architekten Lorenz (Magne-Håvard Brekke) zusammenlebt, bleibt daher eine Behauptung, für die das Drehbuch (Roselyne Bellec) keine Basis bietet. Es ist eben eine amour fou, eine verrückte Liebe. Aber Cretón ist ein Ereignis.