Volksinitiative zum Gottesbezug: Landesbischof Magaard befragt Basis

Volksinitiative zum Gottesbezug: Landesbischof Magaard befragt Basis
Der schleswig-holsteinische Landtag hatte Anfang Okotber eine neue Verfassung ohne Gottesbezug in der Präambel verabschiedet. Seitdem denken Kirchenvertreter über eine Volksinitiative nach.

Der Schleswiger Bischof Gothart Magaard will von der Kirchenbasis in seinem Bischofsbezirk wissen, ob sie eine Volksinitiative für einen Gottesbezug in der Landesverfassung wünscht. Eine Entscheidung "von oben" sei in dieser Sache nicht angemessen, betont Magaard in einem am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) zugeleiteten Schreiben. Adressaten sind die Kirchengemeinderäte in den 365 Gemeinden, die Mitglieder der acht Kirchenkreissynoden, Pastoren und Mitarbeiter.

Der Bischof ermutigt die evangelischen Christen, ihm bis zum 1. Advent ihre Meinung zu schreiben oder zu mailen. Die Frage nach der Bedeutung Gottes bleibe ein zentrales Thema der Kirche in Gottesdiensten, in der Bildungs- und Gemeindearbeit sowie in der gesellschaftspolitischen Urteilsbildung. Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid würden aber "die Kräfte unserer ganzen Kirche über lange Zeit erheblich binden", räumt Magaard ein.

Hintergrund ist die Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Landtages Anfang Oktober über die neue Landesverfassung, die in ihrer Präambel keinen Gottesbezug enthält. Die Kirchen und insbesondere Bischof Magaard hatten sich zuvor wiederholt für eine Formulierung mit Gottesbezug eingesetzt. Nach der Landtagsentscheidung kündigte die katholische Kirche eine Volksinitiative an. Magaard dagegen hatte mitgeteilt, dass die evangelische Nordkirche hier nicht zu den Initiatoren gehören werde.

Eine Volksinitiative benötigt in Schleswig-Holstein 20.000 Unterschriften, damit sich der Landtag mit dem Anliegen befasst. Lehnt der Landtag die Initiative ab, sind nach der neuen Verfassung 80.000 Unterschriften für ein Volksbegehren nötig. Das katholische Erzbistum Hamburg müsste beim Volksentscheid als letzten Schritt mindestens 1,1 Millionen Stimmen für das Anliegen bekommen, weil bei Verfassungsänderungen eine Zweidrittel-Mehrheit notwendig ist.

Die evangelische Kirche hat im Bischofsbezirk Schleswig und Holstein über eine Million Mitglieder. Außerdem leben in Schleswig-Holstein rund 170.000 katholische Christen, sechs Prozent der Gesamtbevölkerung. Magaards Bischofsbezirk umfasst Schleswig-Holstein ohne Lübeck, die Region Lauenburg und das Hamburger Umland.

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