Der Hornist ohne Arme

Felix Klieser spielt das Horn mit dem Fuß

Foto: epd/Steven Haberland

Felix Klieser spielt das Horn mit dem Fuß. Für seine Aufnahmen bekommt er nun den "Echo Klassik" 2014.

Der Hornist ohne Arme
Seitdem er vier Jahre alt ist, spielt Felix Klieser das Horn mit den Füßen. Er wurde ohne Arme geboren. Inzwischen ist der begabte Musiker 23 Jahre alt und wurde bereits vielfach ausgezeichnet. Im Oktober kommt der "Echo Klassik" 2014 hinzu.

Mit seinen 23 Jahren hat der Hornist Felix Klieser schon eine Menge erreicht. Bei "Jugend musiziert" ist er Bundespreisträger. Beim "Life Award" wurde er in der Kategorie "Kunst und Kultur" ausgezeichnet. Er musizierte zusammen mit Sting auf dessen Deutschlandtournee. Nun kommt eine weitere Ehrung hinzu - der gebürtige Göttinger erhält am 26. Oktober in München den renommierten "Echo Klassik" 2014 als Nachwuchskünstler. Dabei bringt Klieser für sein Instrument die denkbar schlechtesten Voraussetzungen mit: Er wurde ohne Arme geboren.

Klieser spielt das Horn mit den Füßen, genauer, mit den Zehen des linken Fußes. Wie Filmaufnahmen zeigen, beschreibt das Bein dabei fast einen rechten Winkel. Die Zehen greifen die Ventile auf Schulterhöhe. Um das Instrument zu halten, benutzt er ein Stativ. "Als ich mit vier Jahren anfing, stand das Horn auf dem Boden und mein Oberkörper war genauso lang wie das Instrument", erzählt der Musiker. "Das Mundrohr befand sich also exakt auf der richtigen Höhe. Als ich dann aber größer wurde, kamen wir sehr schnell auf die Idee mit dem Stativ."

Ein viel größeres Problem war für ihn, dass er keine Hand in den Schalltrichter des Horns stecken kann. Denn die Hand, sagt Klieser, habe einen enormen Einfluss auf den Klang, mache ihn dunkler und runder. Bereits als Zehnjähriger habe er gemerkt, "dass ich zu hell, zu sehr nach Trompete klang. Und mir wurde sehr schnell klar, dass ich das in den Griff bekommen muss, wenn ich professionell spielen will."

Gelöst hat er das Problem dann durch seine Vorstellungskraft. "Wenn man sich etwas vorstellt, dann hört man das sofort am Instrument, ohne dass der Interpret unbedingt weiß, was er technisch macht". So habe er schließlich erreicht, weicher oder dunkler zu klingen, "das ist natürlich mühselig und dauert Jahre."

Auch für das Horn eine Auszeichnung

Mit 17 Jahren wurde Felix Klieser Jungstudent an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, dort absolviert er seit 2010 ein reguläres Musikstudium. Von 2008 bis 2011 war er Mitglied im Bundesjugendorchester, er wirkte in Produktionen des Westdeutschen Rundfunks mit, Tourneen führten ihn durch die Schweiz, Italien, Österreich und Südafrika.

Im vergangenen Jahr erschien das Debütalbum "Reveries", die CD begeisterte die Kritik. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" lobte Kliesers reinen, weichen Klang. Und "Crescendo", das Magazin für klassische Musik und Lebensart, urteilte: "So beseelt, wie hier das Horn erklingt, hat man romantische Musik lange nicht mehr gehört. Er hat definitiv alles, was ein exzellenter Musiker braucht."

Das sah diese Woche auch die Jury des "Echo Klassik" so, die sich aus dem Arbeitskreis Klassik des Bundesverbandes Musikindustrie, der ZDF-Musikredaktion und unabhängigen Experten zusammensetzt. Klieser selbst freut sich sehr über die Auszeichnung, "nicht allein für mich persönlich, sondern auch für mein Instrument, das Horn". Seit dem Sommer ist die Lebensgeschichte des Ausnahmemusikers auch nachzulesen. Das Buch trägt den Titel "Fußnoten - Ein Hornist ohne Arme erobert die Welt".

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