TV-Tipp des Tages: "Bella Casa - Hier zieht keiner aus!" (ZDF)

TV-Tipp des Tages: "Bella Casa - Hier zieht keiner aus!", 4. September, 20.15 Uhr im Zweiten

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Ein Investor will das Kreuzberger Haus übernehmen, in dem Bella Jung lebt. Außerdem wohnt hier ihr Vater Friedrich mit seinen Musikerfreunden in einer Senioren-WG, hier ist auch ihre Praxis für Physiotherapie. Die Konsequenzen für die Bewohner liegen auf der Hand: doppelte Miete oder Auszug.

Es ist schon beeindruckend, wie sich die "Bella"-Reihe mit Andrea Sawatzki im Lauf der Jahre weiterentwickelt hat. Die Filme sind ein wunderbares Beispiel dafür, wie man mit den gleichen Hauptfiguren immer wieder neue Geschichten erzählen kann, obwohl die grundsätzliche Konstellation seit "Bella Vita" (2010) jeweils nur leicht modifiziert worden ist. Die Figuren sind damals von Georg Heinzen entwickelt worden. Seither haben sich die Regisseure (unter anderem Thomas Berger und Vivian Naefe, mittlerweile Edzard Onneken) ebenso abgewechselt wie die Autorinnen (aktuell Beate Fraunholz). Einige Figuren sind verschwunden, andere haben neue Darsteller bekommen, aber die Atmosphäre ist unverwechselbar geblieben; das dürfte zuallererst mit Produzentin Kirsten Hager zusammenhängen.

Doppelte Miete oder Auszug

Gleichfalls vorbildlich ist das Geschick, mit dem die Filme kurzweilige Unterhaltung mit relevanten Themen kombinieren. In "Bella Casa – Hier zieht keiner aus!" geht es um Gentrifizierung: Ein Investor will das Kreuzberger Haus übernehmen, in dem Bella Jung lebt. Außerdem wohnt hier ihr Vater Friedrich (Peter Sattmann) mit seinen Musikerfreunden in einer Senioren-WG, hier ist auch ihre Praxis für Physiotherapie. Die Konsequenzen für die Bewohner liegen auf der Hand: doppelte Miete oder Auszug. Während Bella noch mit einer Vertreterin (Julia Richter) des Bezirksamts verhandelt, schafft Friedrich, der ohnehin seit Monaten keine Miete gezahlt hat, Tatsachen und wird zum Hausbesetzer. Und weil Bella vor lauter sozialem Engagement ihre Praxis und auch den kleinen Adoptivsohn vernachlässigt, wächst ihr bald alles über den Kopf.

Die "Bella"-Filme fallen schon allein deshalb aus dem Rahmen des Komödienalltags, weil Bella Jung alles andere als eine strahlende Heldin ist. Sie ist zwar liebenswert, aber auch stur, und außerdem alles andere als ein Superweib, weshalb sie schließlich erkennen muss, dass sie ihre Kräfte überschätzt hat; ein besonderer Mensch zwar, gewiss ein Vorbild, aber eben auch eine Figur mit Schwächen. Dass dieser Entwurf funktioniert, hat naturgemäß viel mit Andrea Sawatzki zu tun, die diese Rolle mit Leib und Seele spielt. Peter Sattmann ist als alter Revoluzzer eine wunderbare Ergänzung, zumal Friedrich auf einem schmalen Grat wandelt, denn nach einem Schlaganfall hat ihm der Arzt dringend davon abgeraten, noch mal zur Trompete zu greifen; aber der Rebell lässt sich natürlich nichts sagen. Auch die weiteren Figuren sind wichtig für die Handlung: Ex-Mann Martin (Thomas Sarbacher), der mit Sorge sieht, wie sich Bella verzettelt, Tochter Lena (Lucie Hollmann), die Volontärin bei einer Zeitung und in vieler Hinsicht anderer Meinung als ihre Mutter ist, oder Freundin Ines (Juliane Köhler), die mit den nachgeplapperten Weisheiten ihres Therapeuten alles andere als eine Hilfe ist.

Entscheidend für die typische Atmosphäre dieser Filme sind Bildgestaltung (Marco Uggiano) und Ausstattung (Harald Turzer). Bellas Welt ist bunt, anheimelnd und warm, aber mit zunehmender Dauer wird der Schatten, der auf diese Welt fällt, immer düsterer. Die Musik (Biber Gullatz, Andreas Schäfer, Moritz Freise) hat gleichfalls großen Anteil an der Stimmung; die gelegentlichen Songs haben einen direkten Bezug zur Handlung. Und so gelingt es Buch und Regie ganz vortrefflich, sanfte Seitenhiebe – bei der Meditation im Park kippt Bella laut schnarchend zur Seite – mit nachdenklichen Momenten zu einer sehenswerten Komödie mit Tiefgang zu verbinden.