Leihmutterschaft: Ethikerin fordert Schutz der Kinder

Leihmütter in Indien

Foto: dpa/Doreen Fiedler

Leihmutterschaft: Ethikerin fordert Schutz der Kinder
In der Diskussion um Leihmutterschaften hat die Ethikerin Claudia Wiesemann sich gegen eine Verschärfung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland ausgesprochen.

Mit Blick auf den Fall einer thailändischen Leihmutter und Baby Gammy sagte Wiesemann am Montag im Deutschlandradio Kultur, man müsse sich fragen, wen es letztendlich treffe, wenn beispielsweise das Bestellen von Kindern bei Leihmüttern unter Strafe gestellt würde. "Das werden ganz sicher die Kinder ausbaden müssen", sagte die Medizinerin, die Mitglied des Deutschen Ethikrates und Direktorin des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Göttingen ist.

Nach deutschem Recht ist bislang jede ärztliche Leistung mit dem Ziel der Leihmutterschaft strafrechtlich verboten. Alle mit der Leihmutterschaft zusammenhängenden Verträge sind unwirksam. Ausgenommen von der Strafbarkeit sind ausdrücklich die Leihmutter und die Wunschmutter. Daher nutzten immer mehr kinderlose Paare die Möglichkeit, ihr Kind im Ausland von einer Leihmutter austragen zu lassen. Juristisch ist umstritten und fraglich, ob das Kind von den Wunscheltern anerkannt werden kann.

Wiesemann forderte, das Problem aus der Perspektive der Kinder zu betrachten. Alles müsse dafür getan werden, die beste Lösung für sie zu finden. Zugleich warnte sie vor einer Ausbeutung oder Versklavung von Leihmüttern. Mit einem simplen Verbot von Leihmutterschaffen befriedige man möglicherweise einen Teil der Öffentlichkeit, das löse aber die Komplexität des Problems nicht, sagte die Göttinger Wissenschaftlerin.

Wiesemann verwies auch auf die positiven Aspekte der Leihmutterschaft. Es sei schön, wenn Menschen mit Kindern leben wollten. Auch für die Kinderwünsche von homosexuellen Paaren müsse etwas getan werden. Sie sei aber selbst "ein wenig ratlos", wie man den vielen Problemen, die rund um das Thema Leihmutterschaft auftauchten, Herr werden könne, räumte Wiesemann ein.
 

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