Kirchen-Finanzchef: Banken rieten wegen Zinssteuer zu Kirchenaustritt

Bankberater

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Kirchen-Finanzchef: Banken rieten wegen Zinssteuer zu Kirchenaustritt
Die Änderungen bei der Abführung der Kirchensteuer führten wahrscheinlich zu mehr Kirchenaustritten. In einzelnen Fällen legten Bankmitarbeiter ihren Kunden einen Austritt nahe.

Der Finanzdezernent der Evangelischen Kirche im Rheinland, Bernd Baucks, wirft deutschen Banken vor, Kunden in einzelnen Fällen zum Kirchenaustritt geraten zu haben. Hintergrund sei das neue Verfahren zum Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge, die ab 2015 automatisch abgeführt wird, erklärte Baucks am Mittwoch in Düsseldorf. Über diese Änderung haben die Banken ihre Kunden informiert. "Die Qualität der Hinweise der Banken war sehr unterschiedlich - bis dahin, dass Menschen dahingehend von ihrer Bank beraten wurden, dass sie der 'neuen' Steuer am besten durch Austritt begegnen können", kritisierte der Finanzchef der rheinischen Kirche.

"Es handelt sich dabei um einzelne Fälle", sagte die stellvertretende Pressesprecherin der zweitgrößten deutschen Landeskirche, Kornelia Roßkothen, dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Bei der Evangelischen Kirche im Rheinland besteht nicht die Auffassung, dass Banken systematisch zu einem Kirchenaustritt geraten hätten." Mehrere Gemeindemitglieder hätten jedoch berichtet, sie seien "von Bank- oder Steuerberatern darauf hingewiesen worden, dass sie aus der Kirche austreten könnten, wenn sie die automatische Abführung von Kirchensteuer auf Kapitalerträge vermeiden wollten".

Roßkothen betonte, dass sich lediglich das Verfahren zur Abführung der Abgeltungssteuer auf Zinserträge ändere, die bereits seit 2009 gilt. Es handle sich weder um eine neue Steuer noch um eine Erhöhung der Kirchensteuer. Dennoch häuften sich nach Angaben von Finanzdezernent Baucks im Zusammenhang mit den Banken-Mitteilungen an die Sparer die Kirchenaustritte "eklatant".

Hochrechnungen zufolge traten 2012 knapp 14.000 Menschen aus der rheinischen Kirche aus, ein Jahr später waren es mehr als 19.000. "Dieser Anstieg ist überdeutlich, und man muss wohl annehmen, dass das neue Verfahren neben anderen Faktoren zu dieser 'Welle' beigetragen hat", erklärte Baucks.
 

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