Historiker: Gefahren von "Mein Kampf" werden überschätzt

Historiker: Gefahren von "Mein Kampf" werden überschätzt
Die Gefahren, die von Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" ausgehen, sind nach Ansicht des Münchner Historikers Christian Hartmann weit überschätzt.

Eine propagandistische Wirkung könne er nicht entdecken, allein schon weil der Text viel zu schwer zu lesen sei, sagte Hartmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Außerdem seien viele Bezüge und Anspielungen selbst für Historiker mittlerweile schwer verständlich.

Hartmann arbeitet am Münchner Institut für Zeitgeschichte an einer Edition von Hitlers Kampfpamphlet. 70 Jahre nach Hitlers Tod - also im Jahr 2015 - erlöschen die Urheberrechte des Freistaats Bayern, der das Buch seit 1946 unter Verschluss hält. Spätestens dann soll die Edition erscheinen. Hitlers Weltanschauung soll genau untersucht und seine Behauptungen mit der historischen Wirklichkeit konfrontiert werden, erklärt Hartmann das Konzept der neuen Edition.

Den Mythos des Buches entzaubern

Als "historischer Profi" könne er die zahlreichen Debatten um das Buch nicht nachvollziehen, sagte Hartmann. Hitler-Texte seien nicht nur im Internet, sondern in jeder wissenschaftlichen Bibliothek zu finden. Das Leben des Diktators sei in einer ganzen Reihe von wissenschaftlichen Editionen lückenlos dokumentiert. "Es ist alles da - bis eben auf das Buch 'Mein Kampf'", sagte Hartmann. Das Buch habe sich inzwischen zu einem Mythos entwickelt. Den gelte es, wieder zu entzaubern.

Dennoch dürften mit dem Buch keine Geschäfte gemacht werden, vor allem aber dürfe es politisch nicht missbraucht werden, mahnte Hartmann. "Wir müssen vielmehr versuchen, für den Umgang mit diesem schwierigen Erbe angemessene wissenschaftliche und auch pädagogische Strategien zu entwickeln." Für das Verständnis der Biografie Hitlers, aber auch der Geschichte des Nationalsozialismus sei "Mein Kampf" zentral.

epd