Für Erdöl aus Afrika fliegt Angela nach Angola

Deutschland spricht 2019
Für Erdöl aus Afrika fliegt Angela nach Angola
Angola ist Deutschlands drittwichtigster Handelspartner in Afrika südlich der Sahara. 2010 hatte das Handelsvolumen einen Wert von 491 Millionen Euro, Tendenz steigend. Für eine weitere Belebung der deutsch-angolanischen Wirtschaftsbeziehungen soll der Besuch der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Luanda sorgen. Von Montag bis Donnerstag ist sie in Kenia, Angola und Nigeria unterwegs.

"Für deutsche Investoren gibt es in Angola viele Möglichkeiten", wirbt der deutsche Ingenieur Thomas Lorenz vor dem Besuch der Bundeskanzlerin am Mittwoch. Vor allem in der Bauindustrie, in den Bereichen erneuerbare Energien sowie des Wissenstransfers könnte Deutschland "groß mitmischen", ist Lorenz überzeugt. Er lebt seit 18 Jahren in Angolas Hauptstadt Luanda.

"Die Bundesregierung möchte eine neue Qualität im deutsch-angolanischen Dialog erreichen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Peter Hintze (CDU), jüngst beim 4. Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsforum. Lorenz wünscht es sich, glauben kann er nicht daran. Seit 2002, nachdem ein blutiger Bürgerkrieg nach 27 Jahren endete, predigt er bei hohen Besuchen aus Deutschland, man solle sich den neuen Markt nicht von China wegschnappen lassen.

"Noch ist der Zug nicht abgefahren", glaubt Lorenz. Infrastrukturaufbau, Telekommunikation, Öl- und Erdgasförderung, Kaffee- und Sisalanbau: All dies seien erfolgversprechende Bereiche. Zudem ist deutsches Know-How gefragt, wie die angolanische Umweltministerin, Fatima Jardim, kürzlich bei der Gründung eines Fonds für erneuerbare Energien betonte.

Korruption und Sprachbarriere sind hohe Hürden

Mit einem 2007 in Kraft getretenen Investitionsschutzabkommen sowie lukrativen Steuervergünstigungen hofft Angola, für die deutsche Wirtschaft attraktiv zu sein. Unter anderem sind Investitionen über einer Million US-Dollar für acht bis 15 Jahre steuerfrei. Korruptionsvorwürfe, in dunklen Kanälen versickernde Öleinkünfte und fehlende portugiesische Sprachkenntnisse scheinen jedoch deutsche Investoren abzuschrecken. Angola liegt auf dem Korruptionsindex von Transparency International auf Platz 152 von 178.

Bild links: Angela Merkel steigt in die Regierungsmaschine, Foto: dpa

Dennoch informiert das Auswärtige Amt, dass die deutsch-angolanischen Wirtschaftsbeziehungen an Dynamik gewönnen. Seit Juni 2009 gibt es eine Lufthansa-Direktverbindung nach Luanda. Deutschland importiert aus Angola fast ausschließlich Rohöl, Erdgas und Mineralölerzeugnisse. Drei Viertel der deutschen Exporte sind Autos und Ausrüstungslieferungen. Seit 2002 hat sich Deutschlands Exportvolumen nach Angola auf 348 Millionen Euro versiebenfacht. Während der Finanzkrise von 2009 gab es Einbrüche, doch die Entwicklungen im ersten Halbjahr 2011 zeugen von einem erneuten Positivtrend.

Angola wächst mit seinem Erdöl

Für dieses Jahr prognostiziert der angolanische Wirtschaftsminister Santos Gourgel ein Wachstum von acht Prozent. Zu verdanken hat es das Land seinem Erdölreichtum. Angola ist neben Nigeria der größte Ölproduzent des afrikanischen Kontinents. Täglich werden rund zwei Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl gefördert.

Beim deutsch-angolanischen Wirtschaftsforum äußerte Gourgel den Wunsch, dass deutsche Unternehmen ihr Engagement in Angola verstärken sollten. "Eine Diversifizierung der Wirtschaft und die Überwindung der Abhängigkeit vom Erdöl" sei das erklärte Ziel des südwestafrikanischen Landes, sagte der Minister.

Alle Bemühungen deutscher Investoren stehen und fallen aber mit gut ausgebildetem angolanischen Personal, und genau da gibt es Probleme. "Wir brauchen eine Ausbildungsinitiative", fordert der optimistisch in Angolas Zukunft blickende deutsche Ingenieur Thomas Lorenz. Damit könnte Angela Merkel ein Zeichen für eine langfristig strategische Partnerschaft setzen. Auf dem Programm steht diese Initiative bislang jedoch nicht.

epd