Papst trifft in Deutschland wohl auch Missbrauchsopfer

Papst trifft in Deutschland wohl auch Missbrauchsopfer
Berlin, Erfurt, Freiburg: Die Stationen des Deutschlandbesuchs von Papst Benedikt XVI. im September standen seit längerem fest, nun gab die Bischofskonferenz Details der Visite bekannt. Benedikt XVI. wird sich voraussichtlich auch Zeit für eine Begegnung mit Opfern von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen nehmen.

An allen drei Stationen des Besuchs sind öffentliche Gottesdienste geplant. Der Abschlussgottesdienst auf dem Freiburger Flughafengelände, zu dem mehrere hunderttausend Menschen erwartet werden, soll live im Fernsehen übertragen werden. Die Papstreise sei vor allem ein geistliches Ereignis, unterstrich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in Paderborn. "Es ist gut für unser Land, dass der Papst kommt."

"Haben schwierige Zeit hinter uns"

Die katholische Kirche habe "eine sehr schwierige Zeit" hinter sich, unterstrich Zollitsch, der Erzbischof von Freiburg ist. "Nun schauen wir mutig nach vorne", so der Freiburger Erzbischof. Im vergangenen Jahr waren zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen bekannt geworden. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass Benedikt XVI. auch Missbrauchsopfern begegnen wird. Dies habe es bei den vorherigen Reisen des Papstes gegeben, sagte der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Daher sei auch bei dieser Reise davon auszugehen.

In Berlin trifft der Papst am 22. September mit Bundespräsident Christian Wulff im Schloss Bellevue zusammen und hält anschließend eine Rede im Bundestag. Ein besonderer Schwerpunkt der Reise werde mit Blick auf das Reformationsgedenken der Protestanten 2017 die Ökumene sein, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. In Erfurt ist eine Begegnung mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) geplant.

Der Papst werde sich auch zur katholischen Sicht über den Reformator Martin Luther äußern, kündigte der Erzbischof an. Nach katholischem Verständnis habe Luther die Kirche zwar erneuern, nicht aber spalten wollen. Beim Thema Ökumene solle der Blick nicht in die Vergangenheit gerichtet werden, sondern die gemeinsame Aufgabe einer zeitgemäßen Verkündigung des Evangeliums im Zentrum stehen. Im Jahr 2017 jährt sich der Thesenanschlag Luthers gegen Missstände in der Kirche zum 500. Mal.

"Luther wollte Kirche erneuern"

Mit einem Besuch im Eichsfeld zwischen Thüringen und Niedersachsen werde der Papst zudem an die innerdeutsche Teilung erinnern, sagte der Erfurter Bischof Wanke. Zugleich solle damit die besondere Leistung der Christen bei der Wiedervereinigung gewürdigt werden. Wulff sagte, es sei für Deutschland eine besondere Ehre, dass der Papst mit einer Marienandacht in Etzelsbach im thüringischen Eichsfeld den Beitrag der Kirchen zum Fall des Eisernen Vorhangs würdige: "Frieden, Freiheit und Demokratie in ganz Europa sind heute nicht vorstellbar ohne das konsequente Eintreten der katholischen und der evangelischen Kirche für diese Werte."

Der Bundespräsident äußerte sich zudem erfreut über den Wunsch von Papst Benedikt nach einer ausführlichen Begegnung mit Vertretern des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). "Dies ist ein starkes Zeichen für die Ökumene im Land der Reformation", sagte der Bundespräsident. Als wichtige Botschaft wertete er weiter die geplanten Treffen mit Vertretern der orthodoxen Kirchen, der jüdischen und der muslimischen Gemeinschaft.

Papst will mehr Zeit für Gespräch mit EKD

Für Begegnungen des katholischen Kirchenoberhaupts mit dem Rat der EKD sowie Vertretern der orthodoxen Kirchen sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinschaft sind nach Angaben der Bischofskonferenz die Planungen noch nicht abgeschlossen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Papst während seines Deutschland-Besuchs einen stärkeren ökumenischen Akzent setzen will als zunächst geplant. "Ich werde alles tun, damit die Begegnung mit den evangelischen Christen gebührenden Raum erhält", ließ Benedikt XVI. den EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider in einem Schreiben wissen.

In Freiburg, der letzten Station der Reise, will sich der 83-jährige Papst mit einem speziellen Gottesdienst an die Jugendlichen wenden. Der Papst werde bei seinem Deutschlandbesuch mit dem speziellen "Papamobil" durch die Städte fahren, kündigte Langendörfer an. Die Reise ist bereits die dritte Visite des Kirchenoberhauptes in seiner Heimat nach Pastoralreisen zum Kölner Weltjugendtag (2005) und nach Bayern (2006).


 

Das vorläufige Programm des Papstbesuchs

       

        Donnerstag, 22. September

  • Rede des Papstes vor dem Deutschen Bundestag
  • Eucharistiefeier in Berlin

    Freitag, 23. September

  • Ankunft des Papstes in Erfurt, offizielle Begrüßung durch die Ministerpräsidentin
  • Eucharistiefeier auf dem Domplatz zu Erfurt
  • Marienlob an der Wallfahrtskapelle Etzelsbach im Eichsfeld

    Samstag, 24. September

  • Ankunft des Papstes in Lahr und Transfer nach Freiburg, Begrüßung des Papstes auf dem Münsterplatz
  • Vigilfeier mit Jugendlichen
  • Sonntag, 25. September

  • Eucharistiefeier und Angelusgebet des Papstes auf dem Flughafengelände von Freiburg
  • Rede des Papstes im Freiburger Konzerthaus
  • Rückflug nach Rom
  • epd