Ein Jahr nach dem Erdbeben: Vena ist endlich wieder zu Hause

Ein Jahr nach dem Erdbeben: Vena ist endlich wieder zu Hause
Die Diakonie Katastrophenhilfe hatte schon vor dem Erdbeben in Haiti lokale Strukturen aufgebaut und konnte daher schnell helfen: Mit Not-Zeltlagern, Gesundheitsstationen und dem Bau neuer Häuser. Anfang Dezember hat die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Haiti besucht.
13.12.2010
Von Rainer Lang

Vena Pierre strahlt. Jeden Besucher umarmt sie. Das Team der Diakonie Katastrophenhilfe in Jacmel ist vorbeigekommen, um das erst vor wenigen Tagen fertig gestellte Haus zu begutachten, in dem Vena jetzt mit ihren drei Kindern lebt. Die 42-Jährige freut sich darüber, „wieder zu Hause zu sein bei ihrer Familie“. Eine Schwester lebt im Nachbarhaus. Dazu habe sie quasi eine zweite Familie bekommen: die Mitarbeiter der Diakonie Katastrophenhilfe, sagt sie zufrieden.

Nach dem Erdbeben im Januar war nur die Vorderfront des Hauses stehen geblieben, der Rest war eingestürzt. Glücklicherweise war niemand umgekommen. Doch die Monate danach in dem Notlager auf dem Gelände der naheliegenden Schule seien keine leichte Zeit gewesen. In den Zelten wird es sehr heiß, die Verhältnisse sind beengt und während der Hurrikan-Saison machten den Bewohnern heftige Regenfälle zu schaffen.

Die Zelte im Lager und weitere Hilfsgüter, darunter Hygieneartikel, Decken und Medikamente, hatte damals die Diakonie Katastrophenhilfe gleich nach dem Erdbeben bereitgestellt. Das evangelische Hilfswerk war schon seit knapp fünf Jahren in der Region mit seinen Partnerorganisationen vor allem in der Ernährungssicherung und bei der Katastrophenvorsorge tätig und konnte so im Januar schnell reagieren.

Stabile Häuser anstelle Notunterkünften

Doch die Zelte werden langsam brüchig. Nach dem jüngsten Hurrikan hat das evangelische Hilfswerk auch die ersten dieser Behelfsunterkünfte ausgetauscht. Rund 300 Familien warten in dem Lager noch auf die Fertigstellung fester Unterkünfte, unter ihnen auch eine weitere Schwester von Vena.
Die Aufgabe für die Diakonie Katastrophenhilfe ist angesichts der riesigen Zerstörungen durch das Erdbeben enorm. Dabei übernahm das Hilfswerk beim Wiederaufbau nicht nur in der Schwerpunktregion im Südosten des Landes in Jacmel und Bainet, sondern auch im ganzen Land eine Vorreiterrolle.

Als einzige Organisation entschloss sie sich dazu, von Beginn an dauerhafte Häuser zu errichten und keine Notunterkünfte. „Diese sind zum Teil noch teurer als die von uns gebauten Häuser“, betont die Leiterin des Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti, Astrid Nissen. Sie kann auf eine stattliche Bilanz verweisen.

In Jacmel und Bainet baute die Diakonie Katastrophenhilfe rund 450 Häuser, 800 weitere sind geplant. Auch im Westen von Port-au-Prince, in den Bergen bei Petit Goaves, entstehen 150 Häuser. Daneben hat das evangelische Hilfswerk im Südosten drei Schulen wieder aufgebaut; vier Gesundheitsstationen und ein Krankenhaus werden wieder hergestellt.

Diakonie hilft auch im Kampf gegen Cholera

Darüber hinaus engagiert sich die Diakonie Katastrophenhilfe beim Kampf gegen Cholera. Die Partnerorganisation Osapo hat auf dem Land 80 Kilometer nördlich von Port-au-Prince in ihrer Klinik auf dem Land eine Cholera-Station eingerichtet und dort schon mehr als 850 Patienten erfolgreich behandelt.

Die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, hat in der ersten Dezemberwoche Haiti besucht. Sie bezeichnete das Engagement auf dem Land als besonders wichtig, weil es dort bislang kein funktionierendes Gesundheitssystem gibt: „Dort sterben viele Menschen an Cholera, weil sie die Klinik in der Stadt nicht rechtzeitig erreichen.“

„Diese Toten tauchen in keiner Statistik auf“, betonte die Theologin bei ihrem Besuch in Haiti. Sie zeigte sich erschüttert darüber, wie viele Menschen angesichts „jahrzehntelanger vernachlässigter Unterstützung“ an Unterernährung leiden. Deshalb engagiere sich die Diakonie Katastrophenhilfe seit 2005 dauerhaft im Land und werde den Menschen auch weiterhin beistehen.

Spenden sind weiterhin nötig

In Bainet wurde im Beisein von Vertretern der Stadt und der Gemeinde sowie der Kirchen Richtfest für eine von vier Gesundheitsstationen, die wiederaufgebaut werden, gefeiert. Weiteres Geld fließt in den Wiederaufbau der Klinik in Bainet. Außerdem besichtigte die Direktorin einen fertig gestellten Schutzbau, in den sich die Bevölkerung bei Unwettern zurückziehen kann.

Füllkrug-Weitzel dankte dem Team der Diakonie Katastrophenhilfe für den enormen Einsatz nach der riesigen Katastrophe, verwies jedoch gleichzeitig darauf, dass angesichts des unfassbaren Ausmaßes noch viele weitere Überlebende auf Hilfe warten. Um diese Aufgabe meistern zu können, bedürfe es weiterer Spenden. Am Dienstag wollen mehrere Hilfsorganisationen auf einer Pressekonfernz über ihre bisherige Arbeit in Haiti berichten.


Rainer Lang ist Pressereferent der Diakonie Katastrophenhilfe.