Mehr Jugend, weniger Stars und ein paar Altmeister

Mehr Jugend, weniger Stars und ein paar Altmeister
In Venedig beginnt das 67. internationale Filmfestival. 24 Filme aus 12 Ländern gehen bis zum 11. September in das Rennen um den begehrten Goldenen Löwen.

Darunter sind allein sechs amerikanische Streifen, aber auch der deutsche Film "Drei" von Regisseur Tom Tykwer mit Sophie Rois und Sebastian Schipper in den Hauptrollen. Der amerikanische Regisseur Darren Aronofsky eröffnet das Festival mit dem Psychothriller "Black Swan". Die Jury des Festivals, das zu den wichtigsten weltweit zählt, leitet der US-Starregisseur Quentin Tarantino. Venedig will in diesem Jahr Experimenten Raum geben und viel junges und spritziges Kino zeigen.

24. Film: Der "Überraschungsfilm"

Das Filmfestival von Venedig rühmt sich, das älteste seiner Art zu sein. Da Alter aber immer auch als Bürde angesehen wird, verweisen die Festivalmacher in diesem Jahr besonders stolz auf die "Jugendlichkeit" ihres Programms. Der Altersdurchschnitt der 23 im Wettbewerb vertretenen Regisseure liegt bei 47 Jahren, und das, obwohl mit dem 78-jährigen Amerikaner Monte Hellman und dem 72-jährigen Polen Jerzy Skolimowski zwei Veteranen weit jenseits des Rentenalters antreten.

Das Wettbewerbsprogramm wird am Ende 24 Filme umfassen: Wie bereits in den vergangenen Jahren gibt es einen "Überraschungsfilm", dessen Titel erst im Laufe des vom 1. bis zum 11. September dauernden Festivals verkündet wird.

Mit Spannung erwartet: "Somewhere"

Eröffnet werden die Filmfestspiele am Mittwochabend mit Darren Aronofskys "Black Swan" ("Der schwarze Schwan"), einem im New Yorker Ballettmilieu angesiedelten Thriller, in dem Natalie Portman und Mila Kunis als Tänzerinnen um die Hauptrolle in Tschaikowskis "Schwanensee" konkurrieren. Zu den mit großer Spannung erwarteten Filmen gehört das neue Werk von Sophia Coppola, "Somewhere", in dem die "Lost in Translation"-Regisseurin ein weiteres Mal einen arbeitsmüden Hollywoodschauspieler in den Mittelpunkt stellt.

Einige Aufregung vor Eröffnung des Festivals löste auch der angekündigte Dokumentarfilm "I'm Still Here" aus, in dem Casey Affleck, der jüngere Bruder von Ben Affleck, die bizarre Karrierewende seines Freundes (und Schwagers) Joaquin Phoenix nachvollzieht. Phoenix hatte sich 2008 von der Schauspielerei verabschiedet, um eine Laufbahn als weißer Rapper einzuschlagen. Bis heute weiß niemand, ob es sich dabei nicht nur um einen Publicity-Gag handelte. Genauso unsicher ist es, ob nun Afflecks Dokumentation darüber Klarheit verschaffen oder nur weiter Verwirrung stiften wird. "I'm Still Here" läuft außer Konkurrenz.

Tom Tykwer im Rennen

Mit sechs Filmen sind die Amerikaner ein weiteres Mal die am stärksten vertretene Nation im Wettbewerb, der nichtsdestotrotz ganz dem Arthouse-Kino verpflichtet scheint. Das Festival wartet mit weniger dem Glamour zuliebe eingeladenen Stars auf als noch in den Jahren zuvor. Schließlich stellt auch der veritable Hollywood-Außenseiter Vincent Gallo sein neuestes Werk vor. Der Schauspieler und Regisseur, der einst für Calvin Klein modelte, hat keinen Film mehr gemacht, seit sein "Brown Bunny" 2003 in Cannes von der Kritik vernichtet wurde. Nun präsentiert er mit "Promises Written in Water" seinen dritten Spielfilm und spielt außerdem in Jerzy Skolimowskis Thriller "Essential Kiling" eine Hauptrolle.

Deutschland schickt immerhin einen Vertreter an den Lido: Nachdem im vergangenen Jahr Fatih Akin mit seinem "Soul Kitchen" den Spezialpreis der Jury gewann, richten sich in diesem Jahr die Hoffnungen der deutschen Filmindustrie auf Tom Tykwers in Berlin angesiedelte Tragikomödie "Drei", in der David Striesow und Sophie Rois die Hauptrollen spielen.

Patriotische Tendenzen

Nachdem bereits in den vergangenen Jahren die Mostra zunehmend für ihre "patriotischen" Tendenzen kritisiert wurde, hat man aller internationaler Kritik zum Trotz den Anteil der italienischen Filme im Gesamtprogramm weiter erhöht. Neben vier Filmen im Wettbewerb gibt es 13, die außer Konkurrenz gezeigt werden, darunter Werke von Marco Bellocchio und Michele Placido. Die einheimischen Zeitungen verkündeten bereits ironisch die "Invasion der Italiener", denn auch in der Nebensektion "Orrizonti" sind acht Produktionen mit italienischer Beteiligung vertreten, daneben gibt es einen ganz dem jungen italienischen Film gewidmeten "Controcampo italiano". Außerdem ist mit der Retrospektive, die Filme der italienischen Komödienkunst von 1920-1988 zeigt, eine weitere Sektion komplett dem einheimischen Filmschaffen gewidmet - und das bereits zum vierten Mal in Folge.

dpa / epd