Appell der Kirchen: Helft den Opfern in Pakistan

Appell der Kirchen: Helft den Opfern in Pakistan
Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben die Bürger dazu aufgerufen, die notleidenden Menschen in Pakistan zu unterstützen. Die Hilfe sei ein Gebot der Nächstenliebe.

Angesichts der großen Zerstörungen durch die Flut in Pakistan haben die beiden großen Kirchen sowie Bundespräsident Christian Wulff an die Deutschen appelliert, zu spenden. Die Not der Menschen in der Katastrophenregion schreie zum Himmel, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der am Donnerstag in Hannover und Bonn veröffentlicht wurde.

In Pakistan sei eine Fläche halb so groß wie Deutschland überschwemmt. Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider und der Bischofskonferenz-Vorsitzende Robert Zollitsch appellierten: "Helft Pakistan! Helft den vielen Opfern der Flut!"

Nach Erkenntnissen aus den vergangenen Tagen sei das Spendenaufkommen in Deutschland nicht so groß wie bei anderen Katastrophen, heißt es in dem Kirchen-Appell. Die Hilfsbereitschaft sollte jedoch nicht durch Vorbehalte gegen ein Land und eine Region vermindert werden, in denen schwierige politische Verhältnisse herrschten.

Gebot der Nächstenliebe

Laut Präses Schneider und Erzbischof Zollitsch ist es ein schlichtes Gebot der Nächstenliebe, den vielen Menschen, deren Zukunftschancen zu versinken drohten, umfassend zu helfen: "Wer schnell hilft, der hilft doppelt."

In Deutschland wurden bisher 24 Millionen Euro für die Flutopfer in Pakistan gespendet. Dies hatte eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen bei 37 Hilfsorganisationen ergeben.

Im ARD-"Brennpunkt" am Mittwochabend rief auch Bundespräsident Christian Wulff (CDU) dazu auf, Hilfsorganisationen zu unterstützen. "Ich setze auf die Hilfsbereitschaft, die Spendenbereitschaft, die in Deutschland immer eindrucksvoll hoch gewesen ist, nicht nur bei Haiti, nicht nur beim Tsunami, sondern auch bei anderen Katastrophen - wahrscheinlich, weil uns Deutschen in der Geschichte auch häufig geholfen worden ist."

Wulff sagte zur anfangs zurückhaltenden Spendenbereitschaft für Pakistan: "Kritikwürdige Zustände dürfen nicht zulasten der dort betroffenen Menschen gehen. Es geht ums nackte Überleben ..." Millionen Kinder seien jetzt in allergrößter Not. Die Menschen im Westen seien auch wegen ihrer Glaubwürdigkeit, aus Gründen der Menschlichkeit gefordert, alles zu tun, was möglich sei, um die Situation in Pakistan zu verbessern.

USA stocken Hilfe weiter auf

Das ganze Ausmaß der Naturkatastrophe sei anfangs nicht ganz begriffen worden, sagte Wulff - dass dort eine Fläche überschwemmt sei von der Größe Italiens. Doch jetzt wüssten die Menschen, dass das Geld auch bei den betroffenen hilfsbedürftigen Menschen ankomme - über die renommierten Hilfsorganisationen. "Jetzt brauchen wir dringend die Hilfe aller derer, die helfen können."

Die Bundesregierung erhöhte unterdessen die Hilfe für die Flutopfer in Pakistan um zehn Millionen auf insgesamt 25 Millionen Euro. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief die Bundesbürger zu Spenden für die 20 Millionen betroffenen Menschen im Katastrophengebiet auf. In Deutschland erhielten Hilfsorganisationen bisher etwa 24 Millionen Euro Spenden für Pakistan.

Die USA hätten dem Land für die Bewältigung der Katastrophe bisher rund 90 Millionen Dollar (rund 70 Mio Euro) zur Verfügung gestellt, heißt es in einer Mitteilung aus dem Außenamt des Landes. Zudem seien derzeit zahlreiche amerikanische Flugzeuge und Helikopter im Einsatz, die schon fast 6000 Menschen gerettet hätten. Die USA hatten ihre Hilfszusagen in den vergangenen Wochen bereits mehrfach ausgeweitet und wollen sie auch jetzt weiter aufstocken.

Nach dramatischen Appellen der Vereinten Nationen und von Hilfsorganisationen gehen nun doch mehr Spenden für die Opfer der Jahrhundertflut in Pakistan ein. Die Vereinten Nationen teilten am Mittwoch mit, sie hätten inzwischen mehr als 40 Prozent der erbetenen knapp 460 Millionen Dollar (rund 357 Millionen Euro) Soforthilfe bekommen.

"Spenden kommen bei den Opfern an"

Die Regierung in Islamabad sicherte zu, gewissenhaft mit den Hilfen umzugehen. Man überlege, ausländische Prüfer zur Überwachung der Verwendung von Spenden einzusetzen, sagte Innenminister Rehman Malik der britischen BBC. Keinesfalls würden Mittel in die Hände von Extremisten gelangen. Die Hilfe gehöre "den Armen, den Flutopfern", sagte Malik. "Ich verspreche, dass sie bei ihnen ankommt." Die Zurückhaltung der Spender war unter anderem mit der Angst vor Korruption und dem Einfluss der Taliban in Pakistan begründet worden.

Die Europäische Union erhöhte ihre humanitäre Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe nach Angaben der zuständigen EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa um 30 Millionen Euro. Damit stellt die EU- Kommission jetzt 70 Millionen Euro bereit. "Das ist eine bedeutende Summe", sagte Georgiewa. "Aber dieses Geld ist nur Nothilfe, es reicht natürlich nicht, um Pakistan wieder aufzubauen."

Der Chef der Meteorologiebehörde in Pakistan, Arif Mehmood, sagte in Islamabad, in den nächsten fünf bis sechs Tagen sei kein Regen vorausgesagt. Es könne allerdings einen Monat dauern, bevor die Überschwemmungen zurückgingen. Helfer versuchten weiterhin verzweifelt, die mehreren Millionen Notleidenden zu versorgen. In den vergangenen Tagen war es zu teils gewalttätigen Protesten von Flutopfern gekommen, die über Mangel an Nahrung klagten und sich von der Regierung im Stich gelassen fühlten.

Von der Jahrhundertflut in Pakistan sind nach UN-Angaben mehr als 15 Millionen Menschen betroffen. Konkrete Hilfe würden sechs bis acht Millionen Menschen brauchen. Fünf Millionen von ihnen seien Kinder.fsorganisationen. "Jetzt brauchen wir dringend die Hilfe aller derer, die helfen können."

Spendenkonten für Pakistan:

Diakonie Katastrophenhilfe: Kennwort "Fluthilfe Pakistan", Konto 502 707, Postbank Stuttgart BLZ 600 100 70 (www.diakonie-katastrophenhilfe.de).

Caritas: Kennwort "Fluthilfe Pakistan", Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00 (www.caritas.de/spenden).

Deutsche Welthungerhilfe: Konto 1115, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98 (www.welthungerhilfe.de).

UNICEF: Kennwort "Nothilfe Pakistan", Konto: 300.000, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00 (www.unicef.de).

Kindernothilfe: Kennwort "Pakistan", Konto 45 45 40; KD Bank, BLZ 350 601 90 (www.kindernothilfe.de).

Ärzte ohne Grenzen: Kennwort "Pakistan und andere", Konto: 97 0 97, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.aerzte-ohne-grenzen.de).

Deutsches Rotes Kreuz: Kennwort "Pakistan", Konto 41 41 41, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.DRK.de/spenden).

Christoffel-Blindenmission: Kennwort "Nothilfe Pakistan", Konto 2020, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.cbm.de).

Aktion Deutschland Hilft: Kennwort: "Flut Pakistan", Konto 10 20 30, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00 (www.aktion-deutschland-hilft.de). SMS mit Pakistan an 81190 (5 Euro plus Gebühr).

Oxfam: Kennwort "Fluthilfe Pakistan", Konto 13 13 13, Bank für Sozialwirtschaft, 370 205 00 (www.oxfam.de)

Save the Children: Kennwort "Pakistan Flut", Konto 929, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 100 205 00 (www.savethechildren.de).

Spendenberatung: Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), Berlin, Tel. 030/ 839 001-0; (www.dzi.de)

epd/dpa